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- Jeder
Mensch braucht, um tiefste Überzeugungen auszudrücken und
zu leben, Symbole.
Religion - wie jede andere tiefe Überzeugung - ist ohne Symbole
nicht denkbar und nicht lebbar. Freiheit der Religionsausübung
beinhaltet daher notwendig die Freiheit eigener Symbolwahl.
- Der Missbrauch
eines Zeichens entwertet nicht das Zeichen insgesamt. Sonst wäre
nach dem furchtbaren Blutvergießen der Kreuzzüge das Zeichen
des Kreuzes bis heute untragbar. Jeder muss und kann selbst entscheiden,
ab wann ein Zeichen untragbar wird.
- Eine
der existentiellsten Verstrickungen, in die ein Mensch geraten kann,
ist Religion.
Sie prägt sein Wesen zutiefst. Keine andere Bindung, die ein religiöser
Mensch eingeht, kann und darf diese Prägung negieren. Auch nicht
das Berufsbeamtentum.
- Die Symbolwelt
jeder Religion, auch jeder Schriftreligion ist immer auch kulturell
geprägt. Die Diskussion, ob im Koran Kopftücher für Frauen
vorgeschrieben werden oder ob nicht, ist sinnlos. Es gibt in verschiedenen
Kulturen die Tradition der Kopfbedeckung, in islamischen Kulturen und
Traditionen genauso wie in christlichen Kulturen und Traditionen - und
zwar bis heute.
- Der Mensch
ist nie ein neutrales Wesen, sondern immer ein engagiertes und in verschiedenste
Bezüge und Kontexte verstricktes Wesen. Auch jeder Lehrer ist so
nie eine neutrale Instanz, sondern immer ein Mensch mit Leidenschaften
und Interessen. Er prägt damit, nolens volens, immer auch seinen
Unterricht, sei es als Kaninchenzüchter, Schlipsträger, Vegetarier,
Anthroposoph, Fußballfan[atiker] oder als Greenpeace Aktivist.
Jeder Schüler muss (und kann) sich mit solchen Prägungen auseinandersetzen.
- Die Frage,
ob der Staat islamischen Frauen in beamteter Stellung das Kopftuch erlauben
darf, ist genauso sinnlos, wie die Frage, ob er es verbieten soll. Die
Kleidung der `Untertanen`, auch der weiblichen, hat einen modernen Staat,
will er demokratisch sein, nicht zu interessieren.
- Der Islam
ist aus der Geschichte Europas sowenig wegzudenken wie aus der Gegenwart
Europas. Es waren im Mittelalter islamische Gelehrte, die entscheidende
geistige Anstöße für die beginnende Scholastik geliefert
haben, und es sind heute viele geborene Europäer, die sich zum
Islam bekennen. "Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die
Muslime, die den alleinigen Gott anbeten" (....) [und] "ermahnt
alle sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen,"
so das II. Vatikanische Konzil der Katholischen Kirche.
- Die Aufgabe
in Europa und weltweit besteht in der Entwicklung ökumenischer
Perspektiven für die abrahamitischen Religionen. Die Aufgabe Europas
besteht in der Ermöglichung der Bildung eines modernen europäischen
Islam. Die Aufgabe heißt Dialog, nicht Abgrenzung.
- Die Aufgabe
der christlichen Kirchen ist noch größer, sie lautet Versöhnung
der abrahamitischen Religionen, damit die drei monotheistischen Religionen
gemeinsam ihre Stimme und ihre Kraft einsetzen für ein friedliches
Zusammenleben auf diesem Planeten. So jedenfalls skizziert der polnische
Papst die Aufgabe:
"Heute spüren wir das dringende Bedürfnis nach einer
aufrichtigen Versöhnung unter denjenigen, die an den einen Gott
glauben. Der Jude verehrt den Allmächtigen als Beschützer
des Menschen' und als Gott, der das Leben verspricht'. Der Christ weiß,
dass Gott sich aus Liebe auf den Menschen eingelassen hat und dass er
dafür vom Menschen wiederum als Antwort Liebe erwartet. Für
den Muslimen ist Gott gut und er versteht es, den Gläubigen mit
Geschenken seines Erbarmens zu überschütten. Auf diese Überzeugungen
gestützt, können Juden, Christen und Muslime nicht akzeptieren,
dass die Erde von Hass verzehrt und die Menschheit von endlosem Kriegsgeschehen
heimgesucht wird. "
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