HILGER, GEORG / LEIMGRUBER, STEPHAN / ZIEBERTZ, HANS-GEORG (Hg.): Religionsdidaktik. Ein Leitfaden für Studium, Ausbildung und Beruf. München: Kösel, 2001. 558 S. 25,- EUR.  
 
Thomas Breuer* (08.08.2002)
 
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  Ein Leitfaden mit mehr als 500 Seiten Text? Kein Zweifel: das kann abschrecken. Zur Prüfungsvorbereitung ist solch ein Werk jedenfalls nur bedingt tauglich. Doch wäre es schade, wenn der schon auf den ersten Blick mächtige Umfang des Bandes potentielle Leser vergraulen würde. Denn als aus- und fortbildungsbegleitende Lektüre ist das Gemeinschaftswerk der bayerischen (katholischen) Religionspädagogen Hilger (Regensburg), Leimgruber (München) und Ziebertz (Würzburg) sehr wohl - und sogar bestens - geeignet. Das Buch möchte "reflexive Kompetenz in Bezug auf die Praxis religiösen Lehrens und Lernens" vermitteln (S. 13). Es tut dies, indem es zunächst den weiteren Horizont absteckt, um sich dann Schritt für Schritt der Unterrichtspraxis zu nähern.  
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  Teil I, der großteils aus der Feder von H.-G. Ziebertz stammt, widmet sich der Religionsdidaktik als wissenschaftlicher Disziplin.  
a In Teil II (Religiöse Bildung und Erziehung am Lernort Schule) geht es um Bedingungsfelder, Ziele, Inhalte, Methoden und Medien des Religionsunterrichts.  
  Teil III stellt 15 religionsdidaktische Prinzipien vor: Ästhetisches Lernen, Korrelieren lernen, Symbollernen, Erinnerungsgeleitetes Lernen, Biographisches Lernen, Mädchen und Jungen in der Schule ("Religionsdidaktik des Differenten"), Mystagogisches Lernen, Biblisches Lernen, Ethisches Lernen, Ökumenisches Lernen, Interreligiöses Lernen, Lernen für die Eine Welt, Projektorientiertes Lernen, Handlungsorientiertes praktisches Lernen, Freiarbeit.  
a In Teil IV erfährt der Leser, wie Religionsunterricht geplant und gestaltet wird. Dieser letzte Teil wurde übrigens von Matthias Bahr (Regensburg) verfasst; auch andere (kleinere) Abschnitte gehen auf Mitarbeiter der Lehrstuhlinhaber zurück: Ulrich Kropac, Mirjam Schambeck (beide Regensburg); Boris Kalbheim, Andreas Prokopf, Ulrich Riegel (alle Würzburg), Herbert Stettberger (München).  
   
  Die Ausführungen bewegen sich durchgehend auf der Höhe des heutigen Diskussionsstandes. Religionsdidaktik wird vorgestellt als interdisziplinäre Verbundwissenschaft, die sich nicht nur auf die Theologie, sondern auch auf die Humanwissenschaften, insbesondere die Erziehungswissenschaften bezieht. Durchgehend ist eine Orientierung am Subjekt des Lernprozesses spürbar: Religion soll nicht mehr einfach vermittelt, sondern angeeignet werden. Sympathisch ist, dass darauf verzichtet wurde, eine neue Konzeption von Religionsunterricht zu präsentieren und statt dessen in Teil III eine Vielfalt religionsdidaktischen Handelns präsentiert wird.  
  Gelungen sind die Hilfestellungen für den Leser: Zu Beginn eines Kapitels wird er jeweils durch eine problemorientierte Hinführung kurz darüber informiert, was er zu erwarten hat. Am Ende kann er durch eine Zusammenfassung den Gedankengang nochmals nachvollziehen. Interessierte werden mit ausgewählten Lesehinweisen versorgt. Bleibt zu hoffen, dass der Umfang nicht allzu sehr abschrecken und der Band sich zu einem Standardwerk entwickeln wird.  
     
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  * Dr. Thomas Breuer ist Oberstudienrat für Kath. Theologie/Religionspädagogik an der PH Ludwigsburg und einer der Herausgeber von THEOPHIL-online.  
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