FÖRG, HEINZ-JÜRGEN / SCHARNAGL, HERMANN: Glaubenskriege. Führer und Verführte. Würzburg: Echter, 2001. 160 S. 20.00 EUR.  
 
Thomas Breuer* (08.08.2002)
 
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  Das Buch, das im Herbst 2001 auf den Markt kam, ist vor dem 11. September geschrieben worden. Es handelt sich also nicht um einen jener verlegerischen Schnellschüsse, die das durch diese Ereignisse erwachte Publikumsinteresse rasch bedienen wollten. Man könnte folglich annehmen, dass die Autoren, der eine Priester, der andere Buchproduzent, in aller Ruhe recherchiert und ihr Thema solide aufbereitet hätten. Dies ist jedoch nicht der Fall. Zwar betonen die Autoren eingangs ihre Absicht, der weit verbreiteten Polemik à la Deschner eine "objektiv-historische" Betrachtung (S. 9) entgegenstellen zu wollen, doch entwerten sie ihre Darstellung, die durchaus manch interessante Passage enthält, vor allem dadurch, dass sie seitenweise aus nicht näher gekennzeichneten Büchern oder unveröffentlichten Manuskripten anderer Autoren abschreiben.  
a Wo Förg und Scharnagl selbst formulieren, klingt dies bisweilen ein wenig ungeschickt. So heißt es über die Konstantinische Wende: "Das Christentum war aus der Unterdrückung in die Mitte seiner Bedeutung gerückt" (S. 123). Von Martin Luther wird behauptet, dass er "sich mit seinen Auffassungen zurück in das erste Jahrtausend" begab (S. 135). Und dass der "Beginn des dritten Jahrtausends [...] zugleich das Ende eines Jahrtausends christlicher Zeitrechnung ist" (S. 141), hatten wir zwar irgendwie schon immer geahnt, musste aber offenbar einmal gesagt werden.  
  Auch einige historische Ungenauigkeiten und undifferenzierte Behauptungen schmälern den Wert des Bandes:  
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  • So trifft es keineswegs zu, dass die römischen Kaiser von Anfang an Edikte erließen "mit dem Ziel, die Kirche auszurotten" (S. 121).
  • Fraglich ist, ob man dem frühchristlichen Theologen Origenes gerecht wird, wenn man über ihn schreibt, dass er sich "der Lehre der Gnostiker verpflichtet" sah (S. 123).
  • Wenig hilfreich ist auch die unmittelbar darauf folgende Erklärung: "Diese hatten aus der christlichen Glaubenslehre eine Philosophie entworfen, die mit der Erlösung von der Erbsünde nichts mehr gemein hatte". Richtig ist vielmehr, dass die radikal dualistische Gnosis etwa zeitgleich mit dem Christentum entstand und vielfältige - nicht nur christliche - Ausprägungen erlebte, während die Erbsündenlehre im Neuen Testament nur erste Anknüpfungspunkte findet, ihre klassische Ausformulierung aber erst durch Augustinus erhielt.
  • Missverständlich ist es, wenn es im Anschluss an die Schilderung der Kriegsethik des Thomas von Aquin heißt: "Kein Geringerer als Franz von Assisi versuchte eine neue Denkrichtung einzuschlagen" (S. 135): Als Franz starb, wurde Thomas gerade erst geboren.
  • In längst vergangene Zeiten kirchenhistorischer Schriftstellerei fühlt man sich zurückversetzt, wenn man über die Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert liest: "Die Christen hatten faktisch keine Chance an der (sic!) Mitgestaltung von Kultur oder Politik. Der Staat entfremdete sich von Gott. Der Verfall der christlichen Ideale war das Ergebnis liberaler Politik" (S. 137). Es ist schon erstaunlich, dass man so viel Unsinn auf so engem Raum unterbringen kann!
 
  Fazit: Ein ehrenwertes Anliegen und schönes Bildmaterial allein machen zusammen noch lange kein gutes Buch! Ein wenig mehr wissenschaftliche Seriosität hätte keineswegs geschadet.  
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  * Dr. Thomas Breuer ist Oberstudienrat für Kath. Theologie/Religionspädagogik an der PH Ludwigsburg und einer der Herausgeber von THEOPHIL-online.  
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