GENKEL, INGRID / MÜLLER-KENT, JENS: Leben werten? Theologische und philosophische Positionen zur Medizinethik (= Studienbuch Religionsunterricht Sekundarstufe II, Bd. 6). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1998, 148 Seiten.

 
   
 
Gerd Buschmann* (22.05.2003)
 
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  Der ausgewogene und informative Band wählt zentrale Textpassagen wesentlicher Vertreter und Positionen aus, mischt angemessen zwischen Theorie und Fallbeispielen, bietet jeweils "Aufgaben" am Kapitelende und eignet sich damit nicht nur für den Religions- und Ethikunterricht der Sekundarstufe II, der sich exemplarisch mit einem, vielleicht dem zentralen Thema moderner Technologie-Ethik auseinandersetzen will, sondern auch als Einführung in die (uns alle betreffende) Problematik überhaupt; so urteilt Rez. etwa aus der Sicht der Ausbildung von Sonderpädagogik-Studierenden.  
   
  Kap. I bietet unter der Überschrift "Gibt es ein Verfügungsrecht über Leben?" eine geschichtliche und theoretische Grundlegung: 1. "Zur Geschichte der Eugenik" (9-22), 2."Derzeitige Positionen zur Bioethik" (22-66): verdeutlicht an den Grundpositionen Substantialismus und Subjektivismus in Philosophie (Hans Jonas / Peter Singer) und Theologie (Hans Grewel, Dietrich Ritschl, Ulrich Eibach / Joseph Fletcher) sowie an ev. und kath. Denkschriften und dem Kontraktualismus des Bochumer Philosophen Hans-Martin Sass.  
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  Kap. II wird konkret: "Organtransplantation": 1. "Einführung" (67-69) (Organspendeformular, Fallbeispiel, Begriff), 2. "Organtransplantation in Geschichte und Gegenwart" (69-76), 3. "Der Gehirntod" (76-86): u.a. wiederum substantialistische (Hans Jonas) und subjektivistisch-utilitaristische Positionen (Dieter Birnbacher / dagegen: Johannes Hoff, Jürgen in der Schmitten) zur Umdeutung des Todes vom Herztod zum Hirntod und den damit verbundenen Folgen (Reduktion des Menschen auf kognitive Qualitäten, Organgewinnung etc.), 4. "Theologische Stellungnahmen" (86-95): Befürwortung und Widerspruchslösung (der frühe Ulrich Eibach), Ablehnung und Zustimmungslösung (Klaus-Peter Jörns), 5. "Psychische Aspekte der Organtransplantation" (95-99): Fallbeispiel und Elisabeth Wellendorf, 6. "Politisch-rechtliche Diskussion" (99-107): (erweiterte) Zustimmungs-, Informations- oder Widerspruchslösung sowie Positionen verschiedener Parteien, 7. "Perspektiven" (108-115): Tendenz zur Ausweitung des Hirntodkriteriums, Nutzung anenzephaler Kinder als Organbanken, Feten-Gewebe-Handel, Xenotransplantation (Tierorgane) u.a.  
   
  Kap. III bietet eine zweite Konkretion: "Pränataldiagnostik und eugenische Indikation". Nach einer 1. "Einführung" (116f) durch einen Zeitungsartikel zur "Rassenhygiene" in China bietet 2. "Informationen" (117-127), 3. "Diskussion über die Pränataldiagnostik" (127-139) (Frauenbewegung, Krüppelbewegung, Susanne Ehrlich), 4. "Christen zu Pränataldiagnostik und eugenischer Indikation" (139-144), bevor 5. "Ein Beispiel" (144-146) und 6. "Zukunftsvisionen" (146-148) (Tendenz zum "perfekten Kind", Keimbahnmanipulation etc.), die das Kapitel beschließen.  
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  * Dr. Gerd Buschmann ist Akad. Oberrat für Evang. Theologie/Religionspädagogik an der PH Ludwigsburg und einer der Herausgeber von THEOPHIL-online.  
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