Die Kunst des Friedens. Gewalt-Kritik und Friedens-Zeichen in der Bildenden Kunst. Ein Arbeitsbuch mit Diaserie. Herausgegeben von "zivil - Zeitschrift für Frieden und Gewaltfreiheit" und EAK - Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer, Stuttgart: Kreuz, 2002. 128 Seiten. 14,90 EUR (als Medienpaket [Buch und Diaserie] 36 EUR).
 
 
Thomas Nauerth* (22.05.2003)
 
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  "Das Arbeitsbuch und die dazugehörige Diaserie sind bestens geeignet für alle, die rund um die Themen Frieden / Krieg / Gewalt / Gewaltfreiheit mit Gruppen arbeiten." Man soll Behauptungen aus Werbebroschüren ja grundsätzlich mit Misstrauen begegnen, aber diese Behauptung stimmt. Das Buch ist ein ausgezeichnetes Arbeitsmittel für jegliches friedenspädagogische Handeln.  
a Jedem vorgestellten Kunstobjekt folgen zwei Seiten mit thematischen wie methodischen Anregungen, mit Hintergrundinformationen und Literaturhinweisen. Besonders praktisch ist die Tatsache, dass man die im Buch vorgestellten Kunstwerke gleichzeitig als Diaserie erwerben kann (ein Folienset wäre allerdings auch schön gewesen...)  
  Der Titel "Die Kunst des Friedens" erinnert an jene berühmte Erzählung, wo Krieg spielende Kinder aufgefordert doch einmal Frieden zu spielen, erstaunt zurückfragen: Wie spielt man Frieden? Wie malt, wie gestaltet man Frieden künstlerisch, ist eine ganz ähnliche Frage. Das Buch macht zunächst deutlich, dass so manche Kunst des Friedens besser als Antikriegskunst zu bezeichnen wäre, es sind Werke, die die Unmenschlichkeit des Krieges verbildlichen (Marc Chagall, Peter Paul Rubens, Otto Dix). Darüber hinaus aber hat man sich intensiv bemüht Kunstobjekte zu finden, die dem Titel direkt entsprechen. Gerade die Präsentation von künstlerischen Versuchen Frieden oder Aspekte des Friedens positiv darzustellen, macht den eigentlichen Wert dieses Buches aus.  
  Man findet verschiedene Arbeiten, die das Thema "Frieden" insgesamt bildnerisch darstellen (Pablo Picasso, "Der Frieden"; Ambrogio Lorenzetti "Sala della Pace"), die bestimmte Aspekte thematisieren ("Der Engel der Mediation"; HAP Grieshaber, "Engel der Kriegsdienstverweiger") oder bestimmte historische Personen und Ereignisse als Sinnbild zu gestalten versuchen (Edward Hicks, "The Peaceable Kingdom"; HAP Grieshaber "Für Martin Luther King"; Mahatma Gandhis Salzmarsch; Diego Rivera, "Conquista - Las Casas schützt die Indianer"). Besonders beeindruckt hat den Rezensenten der Versuch von Beuys, mit seinem "Friedenshasen" eine neue Tiersymbolik des Friedens anzuregen.  
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  Warum aber sind Bilder über die "Kunst des Friedens" oder über die Schrecken des Krieges in Zeiten des Fernsehens überhaupt noch wichtig? Eine kleine aktuelle Geschichte kann dies besser verdeutlichen als jede mediendidaktische Konzeption.  
  Als der amerikanische Außenminister Colin Powell und der Chef der UN-Waffeninspekteure Hans Blix im Februar dieses Jahres vor der internationalen Presse in New York ihre Positionen zu einem möglichen Krieg gegen den Irak erläuterten, sollte die Weltöffentlichkeit eines nicht sehen: Pablo Picassos "Guernica", das in Form einer Tapisserie im Vorraum zum Sitzungssaal des Sicherheitsrats hängt. Das bekannteste Anti-Kriegs-Bild des 20. Jahrhunderts war von einem blauen Vorhang mit UN-Logos verhüllt worden. Es sei, so ein Diplomat kein, "angemessener Hintergrund", wenn Powell über Krieg rede und dabei von schreienden Frauen, Kindern und Tieren umgeben sei, die das durch Bombardements verursachte Leid zeigten.  
  Eine Geschichte von der Angst der Mächtigen vor der Botschaft eines einzigen Bildes, Johann Peter Hebel hätte sie zur Kalendergeschichte erhoben. Leider fehlt in dem hier angezeigten Buch "Kunst des Friedens" nun ausgerechnet dieses Bild "Guernica"!
Ansonsten aber ist dieses Buch unbedingt empfehlenswert.
 
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  * Dr. Thomas Nauerth ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Praktische Theologie des Instituts für Katholische Theologie der Hochschule Vechta.  
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