BISER, EUGEN/ HAHN, FERDINAND/ LANGER, MICHAEL (Hg.): Der Glaube der Christen. Band I: Ökumenisches Handbuch. Band II: Ökumenisches Wörterbuch. München-Stuttgart: Pattloch-Calwer, 1999. 1800 S. 50.00 EUR.  
 
Thomas Breuer (20.07.2001)
 
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  Schon ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis macht klar: Hier handelt es sich nicht um ein klassisches theologisches Handbuch, sondern um den Versuch, die wesentlichen Fragen der Theologie vor dem Horizont der heutigen Lebenswelt zu erörtern. Dass dies in ökumenischer Verantwortung geschieht, ist besonders begrüßenswert. Jeder der sechs Teile des fast 1100 Seiten starken 1. Bandes wurde von zwei Herausgebern unterschiedlicher Konfession redaktionell betreut. Obwohl dies allesamt Männer sind, wird die weibliche Perspektive nicht ausgeklammert. Dafür stehen besonders die Beiträge von Helga Kohler-Spiegel ("Mensch sein als Mann und Frau"), Regina Ammicht-Quinn ("Leben mit allen Sinnen"), Hedwig Meyer-Wilmes ("Feministische Spiritualität"), Annette Noller ("Zugänge zur Bibel"), Ingrid Schoberth ("Lebens- und Glaubensgeschichte") und Martina Blasberg-Kuhnke ("Die Stellung der Frau in der Kirche").  
     
  Wenn die Herausgeber die Rede von der "Entdeckung" zum Schlüsselwort ihres Handbuchs machen, so ist dies mehr als ein Werbetrick: Zu entdecken gibt es tatsächlich einiges in diesem weitgespannten Werk. Es spricht für die Konzeption des Bandes, dass er mit der "Entdeckung des Menschen", also mit anthropologischen Fragen, beginnt und dann fortschreitet zur "Entdeckung der Religion" (so im Inhaltsverzeichnis, im Text auf S. 213 heißt es dann "Die Entdeckung der Religionen). Erst danach werden Gottesfrage, Christologie, Ekklesiologie und Eschatologie beleuchtet, wobei nie der Eindruck entsteht, hier würden Katechismuswahrheiten verbreitet.  
   
  Es ist natürlich unmöglich, hier allen Artikeln dieses Handbuchs gerecht zu werden. Deshalb nur eine Bemerkung: Sehr erhellend und theologisch ausgesprochen bedeutsam ist, wie vor allem in den Beiträgen von Michael Langer, Manfred Görg und Hubert Frankemölle das Verbindende zwischen Judentum und Christentum herausgearbeitet wird. Demgegenüber fällt ausgerechnet der "Einstimmung" genannte einleitende Artikel von Eugen Biser, der als "der große Lehrmeister christlicher Theologie und Spiritualität" vorgestellt wird (S. IX), deutlich ab. Es ist ausgesprochen ärgerlich, wenn man hier auf den ersten Seiten des Handbuchs Stereotypen begegnet, die kritischer Reflexion kaum standhalten. Das Judentum predige den bedingt, das Christentum hingegen den bedingungslos liebenden Gott, heißt es da (S. XVII), und das Judentum sei eine moralische, das Christentum aber eine mystische Religion (S. XVI). Dankenswerterweise stellt Josef Sudbrack entgegen solchen Vorurteilen klar, dass Judentum und Islam ebenfalls mystische Züge haben (S. 525) - und dies nicht nur in Randbereichen!  
   
  Der 2. Band besteht aus einem hilfreichen Wörterbuch, dessen über 1000 (knappe) Artikel überwiegend von jüngeren Wissenschaftlern erarbeitet wurden. Schade ist, dass dabei auf ausgewählte Literaturhinweise verzichtet wurde. Hilfreich sind hingegen die Querverweise im 1. Band.  
   
  Insgesamt handelt es sich um ein nicht nur nützliches, sondern auch anregendes Handbuch, dem man trotz der wenig haltbaren Kartonage eine weite Verbreitung wünschen kann.