SCHLÜTER, RICHARD: Konfessioneller Religionsunterricht heute? Hintergründe - Kontroversen - Perspektiven. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2000. 184 S. 25.90 EUR.  
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Thomas Breuer (20.07.2001)
 
     
  Nicht erst seit der Ratzinger-Erklärung "Dominus Iesus" hat man den Eindruck, dass die Ökumene im Allgemeinen und die konfessionelle Kooperation im Religionsunterricht im Besonderen nicht so recht vom Fleck kommen. Wer wissen möchte, warum der von vielen Christen beider Konfessionen gewünschte Wandel "durch theologische Maximalforderungen und Nichtrezeption religionspädagogischer Voten blockiert" wird (S. 26), der nehme das kenntnisreiche und differenzierte Buch des Religionspädagogen Richard Schlüter zur Hand. Seine Erklärung, dass die ökumenischen Prozesse nicht nur von der Frage nach der Wahrheit beeinflusst werden, sondern mehr noch von dem kirchlichen Interesse an der Wahrung der je eigenen Sozialgestalt und Identität, ist gleichermaßen überzeugend wie ernüchternd. Ob jedoch die am Ende des Bandes aufgegriffene Konzeption eines ökumenischen Lernens im Sinne eines Erlernens weltweiter Solidarität tatsächlich eine Perspektive aufzeigen kann, die aus den Sackgassen der binnenkirchlichen Ökumenediskussion herausführt, muss angesichts der Schulrealität bezweifelt werden. Mir scheint, dass dieses sympathisch klingende Leitbild zu sehr von theologischen Idealvorstellungen ausgeht und sich zu wenig an der tatsächlichen religiösen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen orientiert.