EISELE, MARKUS (Hg.): Internet-Guide Religion, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 144 S. 8.50 EUR.  
 
Thomas Breuer (20.07.2001)
 
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  Keine Frage: Auf ein solches Buch haben viele gewartet! Ein Führer durch den Dschungel des Internets ist gerade für Anfänger ein überaus nützliches Hilfsmittel, denn auch in Fragen der Religion kann man sich in den Weiten des Netzes leicht verirren. Geradezu euphorisch heißt es daher in einer Besprechung der Schweizer "Reformierten Nachrichten" : "Mit seinem Internet-Guide Religion schafft Markus Eisele, Pfarrer und Leiter der EKD-Internetarbeitsstelle, endlich Klarheit". -  
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  "Wenn dem nur so wäre!", möchte man ausrufen. Sicher: Mit den ca. 800 Adressen zu den Themen Religion, Christentum, Kirchen, Ökumene, Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus, Cyberreligion, Sekten und Philosophie stellen Eisele und seine Mitarbeiter einen großen Fundus bereit, der darüber hinaus durch den aktualisierten Link-Automat leicht genutzt werden kann: Man tippt einfach die Kennziffern, die den im Buch aufgelisteten Internetadressen vorangestellt sind, ein und die gewünschte Seite wird in einem Extrafenster geöffnet. Das ist angesichts der sich häufig ändernden Adressen ein wirklich hilfreicher Service. Nur: Die Schwächen dieses Web-Scouts sind bei genauerer Betrachtung nicht zu übersehen. Damit meine ich nicht, dass die eine oder andere gute Adresse fehlt; das ist wahrlich nicht zu vermeiden. Ärgerlich sind aber die bisweilen merkwürdigen Einordnungen und Kommentierungen einiger Adressen. Dabei stellt  
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  • Den Verfassern ist offenbar nicht bekannt, dass das Kennzeichen "katholisch" bereits aus den frühen kirchlichen Bekenntnissen stammt. Ebenso unbekannt scheint die Hierarchie der röm.-kath. Kirche zu sein: Ein Bischof ist keineswegs, wie hier behauptet, der Bischofskonferenz unterstellt. Auch ein Kardinal steht innerhalb Weihehierarchie nicht über dem Bischof (4.4). Wer sich über Wesen und rechtliche Struktur der kath. Kirche informieren will, kann dies beim Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt tun: http://www.ku-eichstaett.de/KTF/pastoral/info015.htm (Adresse ist nicht im Guide enthalten).
  • Unter "Systematische Theologie" werden ohne weitere Erläuterung nur zwei extrem konservative katholische Seiten vorgestellt: ein älteres Morallexikon (auf einer site aus dem Umkreis von Bischof Krenn) und die Seiten eines Bamberger Dogmatikers mit Nähe zum Opus Dei (3.3.2). Hinweise auf aufgeschlossenere Dokumente wie etwa den Zweiten Band des von der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebenen Katholischen Erwachsenen-Katechismus (http://dbk.de/katechismus/) oder die Texte Sankt Georgener Theologen (http://www.st-georgen.uni-frankfurt.de/texte.htm) sucht man hingegen vergeblich.
  • Kritische katholische Initiativen wie die Kirchenvolksbewegung (http://www.we-are-church.org/de/) oder die Initiative Kirche von unten (http://www.ikvu.de) werden nicht berücksichtigt.
  • Katholische Frömmigkeit scheint v.a. aus Devotionalienhandel zu bestehen (4.4.5).
  • Die Telefonseelsorge wird für die evangelische Kirche vereinnahmt, obwohl die site ökumenisch gestaltet ist (3.2.2). Auch andere ökumenische Initiativen wie "Homosexuelle und Kirche" oder die "Woche für das Leben" findet man im Kapitel "Evangelische Kirche in Deutschland", ebenso das allseits bekannte "Wort zum Sonntag" (4.2).
  • Bei den Seiten für Jugendliche wird zwar auf CVJM und EC hingewiesen, nicht aber auf den BDKJ (2.4.2).
  • Die Altkatholiken werden als "evangelische Freikirche" bezeichnet (4.3).
 
  Weitere Merkwürdigkeiten:  
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  • Unter "Haltungen zur Ökumene" (5.4.4) findet man drei verschiedene Adressen: die der deutschen Altkatholiken, die der schweizerischen Altkatholiken und zuletzt - Sie erraten es bereits - die der österreichischen Altkatholiken. Ein Alpengipfel der besonderen Art!
  • Dass Freidenker und Humanisten unter "Weitere Sekten und Neuheidentum" aufgeführt werden (11.3), dürfte kaum sachgerecht sein.
  • Selbstverständlich darf man auf ein evangelikales Bibelseminar hinweisen. Der Kommentar "52 Einheiten, um die Bibel kennen zu lernen" klingt allerdings etwas arglos (3.1.1). Außerdem hätte man sich gewünscht, dass gleichzeitig auf einen Bibelkurs auf historisch-kritischer Grundlage verwiesen würde. Einen solchen bietet Pfarrer Dr. Jörg Sieger: http://www.joerg-sieger.de/bibel.html
  • Schließlich hat man es tatsächlich für richtig befunden, unter der Rubrik "Theologie allgemein" (3.3.2) einen link zum Gütersloher Verlagshaus aufzunehmen (in dem dieses Buch erscheint), während andere große theologische Verlage als nicht relevant erachtet werden.
 
  Diese Aufzählung von Nachlässigkeiten und Merkwürdigkeiten ist sicherlich nicht erschöpfend. Sie zeigt aber, dass der Internet-Guide Religion keineswegs in allen Fragen "endlich Klarheit schafft". Wer auf der Suche nach empfehlenswerten Adressen ist, kann daher ebenso gut auf eine der bewährten Linklisten zurückgreifen.  
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