Was kann katholische Schule heute noch leisten?  
     
  Überlegungen zu den aktuellen Schwierigkeiten und Chancen eines pastoralen Ortes  
Rainer Bucher*(22.05.2003)
 
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  I. Die aktuellen Schwierigkeiten der katholischen Kirche und jene der Schule in ihr  
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  Zwischen der Kirche und ihren Mitgliedern ereignete sich im Verlauf der letzten 40 Jahre in den entwickelten Gesellschaften des Westens eine veritable Revolution. Diese Revolution ist wesentlich bedingt durch gesellschaftliche, also überindividuelle Prozesse, denen der einzelne und auch die Kirche eher unterliegen, als dass sie diese in irgendeiner Weise selbst steuern könnten, für sie also verantwortlich wären. Das aber bedeutet: Die Kirche hat ihre Aufgabe heute unter völlig neuen Bedingungen zu erfüllen.  
   
  Vor allem unter einer ihr völlig ungewohnten: Der oder die einzelne sind heute frei, sich seine oder ihre eigenen Muster der Lebensführung, der Weltbetrachtung und eben auch der religiösen Weltwahrnehmung selbst zusammenzustellen. Denn sie sind frei den bisher dominanten sozialen Trägern von Religion gegenüber. Deren soziale wie moralische Sanktionsmacht ist geschwunden.  
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  Die Individualisierungsschübe der Moderne sind dabei kein individuelles, sondern ein kollektives Ereignis und sie beruhen gerade nicht auf der freien Entscheidung des einzelnen. Die Menschen der Gegenwart sind zur Selbstherstellung und Selbstgestaltung ihrer Biographie und eben auch ihrer moralischen, sozialen und religiösen Bindungen verdammt.  
 
  Die skizzierte religiöse Situation der Gegenwart trifft die katholische Kirche des Westens nun in einer ausgesprochen ungünstigen Situation. Denn eigentlich ist sie gerade dabei, sich mit der Krise ihres letzten Krisenbewältigungssystems zu beschäftigen. Mit ihm hatte sie Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Entmachtung der Kirchen durch die bürgerliche, religionsneutrale Gesellschaft reagiert.[1]  
   
  Diese Krisenbewältigungsstrategie kann man als "konserservative Zentralisierung und Modernisierung" beschreiben. Ihr Ziel: Wenn schon nicht mehr die ganze Gesellschaft unter kirchliche Normierung zu bringen ist, dann muss wenigstens die neu entstehende Pluralität vom kirchlichen Binnenbereich abgeschirmt werden. Und das gelang auch - zumindest bis vor kurzem. Diese Lösung des Problems "Kirche in pluraler Moderne" lief im wesentlichen darauf hinaus, den einzelnen vom Problemdruck, wie die christliche Botschaft in einer pluralen Welt zu konkretisieren sei, durch zentrale Vorgaben zu entlasten.  
   
  Die Strategie einer konservativen Zentralisierung und Modernisierung der Kirche war nun allerdings an Voraussetzungen gebunden, welche offenkundig seit einiger Zeit nicht mehr gegeben sind. Vor allem setzt dieses Modell voraus, dass es innerhalb der pluralen Gesellschaft weiterhin bestimmte, relativ geschlossene Großmilieus mit weitgehend einheitlichen Denk- und Wahrnehmungsmustern geben kann. Die Industriegesellschaft im Stadium der endgültig durchgesetzten Moderne aber löst solche traditionalen Reservaträume auf.  
   
  Der Kern der gegenwärtig überall spürbaren Identitätsprobleme der katholischen Kirche liegt so in den immer noch unaufgearbeiteten Folgen der Entmonopolisierung des kirchichen Diskurses, ein Monopolverlust, der mittlerweile, und das ist das neue, auch den eigenen kirchlichen Binnenraum erreicht hat. Denn die Individualisierung von Bewusstseinsstrukturen und die Pluralisierung von Lebenslagen sind seit einiger Zeit auch im Katholizismus angekommen.  
   
a Die argumentativen und mentalen Fronten innerhalb der Kirche verlaufen denn auch exakt entlang der Frage: Restauration dieses katholischen Milieus oder Angleichung an die gesellschaftliche Realität der Moderne. Diese Alternative gibt allerdings weder theologisch noch pastoral irgendetwas her. Sie ist die wahre Fatalität unserer kirchlichen Situation. Denn es geht nicht um die Restauration des Milieus, sondern um die entschiedene Gegenwart des Evangeliums.[2]  
   
  Was bedeutet diese Situation für die katholische Schule? Im sozial-moralischen Milieu des Katholizismus war sie eines der zentralen Sozialisationsinstrumente dieses Milieus. Sie war ja selbst schon Resultat eines kirchlichen Monopolverlustes: Sie entstanden, als die Kirche ihr weit bis ins 18. Jahrhundert bestehendes Monopol auf schulischer Bildung nach und nach verlor. Die Errichtung eigener katholischer Schulen war also Teil jener Strategie einer "konservativen Modernisierung" der Kirche des 19. Jahrhunderts, die darauf hinauslief, das Eigene auf reduzierter Basis zu sichern. Die irritierenden Pluralitätserfahrungen, wie sie die Moderne nun mal mit sich bringt, sollten ausgeschlossen, die Schüler und Schülerinnen auf "katholische Prinzipien" hin erzogen werden. Die katholische Schule war ein zentraler Bestandteil dieser kirchlichen Sozialform, sie prägte die innerkirchlichen priesterlichen Führungskräfte, aber auch die gesellschaftlichen katholischen Laieneliten.  
   
  Gegenwärtig aber geschieht, worauf dieses System nicht angelegt war: es verliert seinen gemeinsamen schützenden Panzer "Katholizismus", innerhalb dessen und für den es in erster Linie arbeitete. Was wir zurzeit in der Kirche erleben, das ist so etwas wie die Zerlegung der Kirche in einzelne, relativ unabhängige "Service-Center", die sich einerseits auf ihrem spezifischen "Branchenmarkt" behaupten müssen und andererseits, teilweise untereinander, um kirchliche wie staatliche Ressourcenzuweisungen konkurrieren  
   
  Nun stellen sich aber bei diesem Übergang vom sozial-moralischen Milieu zum Markt, wie immer bei solchen Übergängen, ganz eigenartige Phänomene ein. Eines davon ist der offenkundige Erfolg katholischer Schulen: in den Neuen Bundesländern Deutschlands etwa gehören sie zu den (eher wenigen) erfolgreichen Einführungen aus der westdeutschen Kirche. Ähnliches gilt übrigens auch für den Religionsunterricht, der in Österreich wie in Deutschland unerwartet geschätzt wird, von Schülern/innen wie von Eltern[3], ähnliches gilt auch für Teile der diakonischen Arbeit und für das Ritenangebot der Kirche, zumindest jenes zu den jährlichen und den biographischen Höhepunkten.[4]  
   
  Die katholischen Schulen leiden denn auch in Österreich nicht unter Schülermangel, im Gegenteil; sie können sich offenkundig auf dem Markt der Schulen trotz einer gewissen Unterfinanzierung gut behaupten.[5]  
   
  Prekär geworden ist also offenbar weniger die Zukunft der katholischen Schulen an sich, sieht man von alltäglichen Ressourcenproblemen ab, als eben die Frage: was haben sie noch mit der Kirche zu tun: außer dem Namen, wohl einigen Klauseln in den Arbeitsverträgen und dem Kreuz im Klassenzimmer und Direktionsbüro? Dass kaum mehr Priester, Ordensfrauen- und -männer in katholischen Schulen arbeiten, ist hierfür nur das äußere Zeichen, nicht das Problem selbst. Denn diese personale Anbindung an Kirche würde vielleicht deren äußere Identifikation als kirchliche Institution erleichtern, doch diese scheint mir auch heute nicht gefährdet. Wer sein Kind auf eine kirchliche Schule schickt, tut dies nicht aus Versehen.  
   
  Das Grundproblem bliebe: die katholische Schule ist heute nicht mehr selbstverständlicher Teil eines ineinander greifenden sozialen Komplexes "katholische Kirche"[6], mit festen Regeln und Loyalitäten, sondern eher eigenständiger Akteur auf einem Branchenmarkt "Schulbildung", aber eben mit katholischen Hintergrund, mit einer differentia specifica, die sie nicht einfach über personale oder soziale Codierung erweisen kann, sondern inhaltlich erweisen muss, erfahrbar und identifizierbar auch und gerade für jene, die ansonsten nichts mit Kirche zu tun haben.  
   
  Mit anderen Worten: aus einem vor allem durch soziale Zugehörigkeit - und darin natürlich inhaltlich dann festgelegtem - Spezifikum "katholisch" wurde eine materiale Eigenprägung, die es in ihrer Praxisrelevanz tagtäglich zu erweisen gilt, will man den Namen katholisch nicht nur zufällig führen oder, weiterhin, vor allem als institutionelle Zugehörigkeit verstehen.  
   
  Natürlich ist die institutionelle Zugehörigkeit nach wie vor relevant, finanziell und personell sowieso, und übrigens auch hinsichtlich des "Marktauftritts". Eine katholische Institution wird immer auch vom Image der Kirche als ganzer berührt, sei es positiv, sei es negativ. Aber wichtiger noch ist, eine Ahnung davon zu entwickeln und zu vermitteln, was es eigentlich inhaltlich und das heißt im konkreten Handeln bedeutet, Schule als katholische Schule sein. Dann aber könnte die institutionelle Zugehörigkeit in einer ganz anderen Weise wichtig werden: als Möglichkeit, die eigenen Probleme mit anderen und mit Hilfe der Ressourcen der Gesamtkirche anzugehen.  
   
  Im alten katholischen Milieu war geklärt, was "katholisch" heißt, durch soziale Einbindung und klare Vorgaben auf Seiten der Institution wie ihrer Mitglieder. Heute ist das nicht mehr der Fall: auf Seiten der Institution kaum mehr, bei ihren Mitgliedern noch weniger. Und das ist gar nicht schlecht. Denn dann muss man sich neu überlegen, was es bedeutet, "katholisch" zu sein und zwar jenseits der finanziellen, administrativen und auch nur traditionell-kulturellen Gegebenheiten. Das beschreibt übrigens nicht nur die Situation katholischer Schulen[7], sondern eben vieler katholischer Institutionen, so etwa katholischer Krankenhäuser.  
   
  Im gewissen Sinn muss neu definiert werden, was es heute heißt, eine katholische Institution zu sein. Das allerdings setze ich natürlich voraus: dass es katholischen Schulen nicht gleichgültig ist, katholisch zu sein, sondern dass es ihnen zumindest irgendetwas bedeutet[8], was wird man noch sehen müssen. Wie also durchkommen zwischen den Straßengräben, letztlich für irrelevant zu erachten, katholisch zu sein, oder eigentlich für schon und immer noch geklärt zu erachten, was es bedeutet?  
   
  II. Katholische Schulen als Orte der Pastoral?  
   
  An dieser Stelle möchte ich vorschlagen, katholische Schulen als pastorale Orte zu verstehen. Das ist erklärungsbedürftig. Denn der Pastoralbegriff, den ich verwende, ist zwar amtlich, aber nicht sehr verbreitet.  
   
  Was also ist Pastoral? Herkömmlich meint man damit die Seelsorge der Priester für die Laien, ausgeübt vornehmlich in der Gemeinde. Das II. Vatikanische Konzil gibt eine andere Auskunft. "Pastoral", so sagt es ganz offiziell in einer amtlichen Fußnote zu Beginn seiner Pastoralkonstitution Gaudium et spes, sei dieser Text über die Kirche in der Welt von heute zu nennen, weil er "gestützt auf Prinzipien der Lehre, das Verhältnis der Kirche zur Welt und zu den Menschen von heute darzustellen beabsichtigt."[9]  
   
  "Pastoral" ist hier offenkundig etwas sehr Allgemeines, aber auch Grundlegendes: das "Verhältnis der Kirche zur Welt und zu den Menschen von heute." Dieses Grundlegende und Allgemeine festzuhalten ist sehr wichtig. Denn es ist eine Revolution in der Geschichte des Pastoralbegriffs. Pastoral ist nicht das Handeln der Kleriker an den Laien, sondern aller, Kleriker wie Laien in und an der Welt. "Pastoral" ist auf dem II. Vatikanum ein Gesamtbegriff für das Handeln der Kirche in ihrer Gegenwart.[10]  
   
  Wie aber ist dieses Verhältnis zu denken? Und: Was ist das Besondere an ihm? Das klärt das Konzil in den folgenden beiden Abschnitten (GS 2-3). Als Quintessenz dieser Abschnitte lässt sich festhalten:  
   
  Erstens: Pastoral ist für das Konzil institutionell gesehen ganz unabhängig von den Kirchengrenzen, sie ist jedenfalls keine rein innerkirchliche Angelegenheit. Es geht vielmehr um ein Verhältnis der gesamten Kirche zur "Gesamtheit der Wirklichkeiten". Kirche ist nicht für sich da, sondern um der Menschen, aller Menschen willen. Zweitens geht es in der Pastoral um die Gegenwart von Kirche: diese Gegenwart aber wird vom Konzil als ihr Wirken definiert. Damit aber kommt das Phänomen der Geschichtlichkeit ins Konstitutions-Spiel der Kirche. Drittens: Pastorales Handeln ist nicht irgendein Handeln. Das Konzil sagt sehr klar, worum es in diesem Handeln geht: Es geht um die Rettung der menschlichen Person, es geht um den rechten Aufbau der menschlichen Gesellschaft - und zwar ganz unabhängig, wie sie sich zur Kirche stellt. Kirchliches Handeln hat nicht Institutionsinteressen zu vertreten, sondern ihre Botschaft zur Rettung der menschlichen Person und zum rechten Aufbau der menschlichen Gesellschaft einzubringen.  
   
  Dieser Satz macht aber - viertens - auch klar: es geht in der Pastoral nicht nur um den Menschen als religiöses Wesen, sondern um ihn überhaupt: um ihn als einen und ganzen Menschen. Seelsorge ist damit nicht mehr nur Sorge um die Seele, sondern - als Pastoral des Volkes Gottes - Sorge um den Menschen, um dessen Rettung es geht. Zuletzt also geht es in dieser Sorge um die Rettung der menschlichen Person und den rechten Aufbau der Gesellschaft, in der Pastoral tatsächlich um die Fortführung des Werkes Christi. Es geht in der Pastoral um das "Zeugnis" und die Verkündigung des Glaubens, um nichts weniger.  
   
  Wenn sich katholische Schule als kirchlicher Ort verstehen will, und das eben nicht nur in einem irgendwie institutionellen oder gar nur administrativen Sinn, sondern inhaltlich und konzeptionell, dann, so muss nachkonziliar gesagt werden, dann muss sie sich als pastoraler Ort im Sinne des Konzils verstehen und das heißt dann aber: erweisen.
 
   
  Denn Kirche wird zur Kirche wesentlich durch ihre Pastoral, also durch das Handlungs-Verhältnis, das sie auf der Basis ihrer Lehre zu ihrer Welt aufbaut. Denn diese Lehre ist nichts weltloses, sondern die Offenbarung des unendlichen Horizonts gerade dieser Welt von heute. Es geht in der Kirche um den transzendenten Horizont des Weltlichen und die weltliche Bedeutung des Religiösen.  
   
  Kann sich nun aber die katholische Schule in diesem Sinne als pastoraler Ort verstehen? Auf den ersten Blick, hat sie es schwer damit. Denn sie steckt in einem ähnlichen Dilemma wie andere ehemals hoch integrierte kirchliche Handlungsorte: sie hat sich über Professionalisierung und Entklerikalisierung aus dem gemeindlichen Normalmilieu weitgehend hinausdifferenziert und angesichts des Markt- und Konkurrenzdrucks auf ihrem Sektor hatte sie auch gar keine andere Möglichkeit. Damit wurde ihre "Kirchlichkeit" im gewissen Sinne diffuser, insofern in der inner- wie außerkirchlichen Normalwahrnehmung das Gemeindemilieu immer exklusiver "Kirche" darstellte und andererseits gerade dieses Gemeindemilieu auf Grund seiner Verengungsgeschichte immer weniger für katholische Schulen einen relevanten Bezugspunkt liefern kann.  
   
  Und gerade deshalb ist auf der Basis des konziliaren Pastoralbegriffs festzuhalten: Katholische Schulen sollten nicht nur Orte der Pastoral sein, sie sind es auch stets, auch jetzt schon. Wenn nämlich Pastoral jenes spezifische Verhältnis meint, das die Kirche auf der Basis ihrer Botschaft zur gegenwärtigen Welt aufbaut, dann verkörpern natürlich auch katholische Schulen solch ein Verhältnis.  
   
  Da sie sich zudem in ihrem Namen zu dieser Kirche bekennen, tun sie es explizit und sie werden so ja auch wahrgenommen. Katholische Schulen sind Orte der Pastoral, weil sie von allen, die in ihnen leben und arbeiten, Lehrern und Lehrerinnen, Schülern und Schülerinnen als ein Ort wahrgenommen werden, der auch geprägt ist vom Bezug auf diese Botschaft. Und weil sie nicht nur so wahrgenommen wird, sondern in ihren Worten und mehr noch in ihren Handlungen von einem Gott spricht, nämlich vom Gott dieser Schule. Unser Gott ist schließlich das, wonach wir unser Leben ausrichten.  
   
  Das ist kein normativer, sondern ein beschreibender Satz. Das, wonach sich eine katholische Schule in ihrem Handeln, in ihrer Erfahrungswirklichkeit ausrichtet, das ist der Gott, den sie verkündet. Sie verkündet also immer einen Gott, nur: ist es der Gott des Jesus von Nazareth? Es soll ja Absolventen katholischer Schulen geben, die niemals mehr eine Kirche betreten, weil sie jenen Gott, den sie an ihrer Schule kennen lernten, vertreiben mussten, um selber leben zu können.[11] Das ist, Gott sei Dank und hoffentlich, lange überwunden.  
   
  Aber es genügt eben auch nicht eine gewisse liberale Unverbindlichkeit und pädagogische Professionalität, zumindest, wenn man den eigenen Charakter als katholische Schule ernst nehmen will. Zu fragen ist vielmehr, nunmehr von der anderen Seite her: worin besteht die spezifische Ressource, die es bedeutet, Anschluss zu haben an unsere kirchliche religiöse Tradition?  
   
  III. Was kann die katholische Schule als pastoraler Ort heute noch leisten?  
   
  Was haben wir zu bieten, was andere nicht zu bieten haben? Früher war das weitgehend klar: wir hatten die Mitgliedschaft in der Kirche zu bieten. Man wusste dann, worum es ging, es wurde einem in dieser Kirche auch sehr genau gesagt: es bedeutete Sündenbewusstsein und Erlösungsmöglichkeit, es bedeutete Heimat und Gehorsam, es bedeutete Sicherheit, aber auch Verbote. Seitdem auch die Kirche ihre Mitglieder nicht mehr vor den Pluralitätsstrudeln der Moderne abschirmen kann, ist es damit vorbei - und im übrigen die Kirche auf der Suche nach ihrer Form. Was hat in solch einer Situation eine katholische Schule anzubieten?  
   
  Ich möchte dazu einen Vorschlag machen und gehe dabei von einer einfachen Überlegung aus, nämlich der Frage: Wozu ist Kirche eigentlich da? Kirche ist dazu da, den Gott Jesu in Wort und Tat zu verkünden, so mein Antwortversuch. Das ist es dann auch, was ich vorschlagen möchte als das Besondere, das katholische Schulen haben könnten: die Rede vom Gott Jesu in Wort und Tat.  
   
  Nun gilt freilich gerade in der Theologie: man muss großen Worten misstrauen. Sie verdecken oft Probleme mit schönen Formeln, anstatt sie zu lösen. Mein Vorschlag steht wohl unter einem ähnlichen Verdacht. Ich möchte versuchen, ihn auszuräumen. Damit aber muss ich die Frage beantworten: Was hat die Rede vom Gott Jesu in Wort und Tat mit dem Alltag einer katholischen Schule zu tun? Ich möchte drei Vorschläge machen.  
   
  Aufmerksamkeit auf die Welt  
   
  Christliche Religion ist nicht Weltflucht, weder Flucht aus noch Flucht in die Welt, sondern sie ist Welt-Loyalität[12] Der Gott Jesu hat sich eingelassen auf diese Welt, ganz und gar, mit Fleisch und Seele, mit Leiden und Tod.  
   
  Er hat sich in Jesus eingelassen auf diese Welt. Er war kein unbetroffener Zuschauer, sondern ein Mensch, der keine Berührungsängste hatte und in der Lage war, noch die größten gesellschaftlichen und religiösen Abgründe zu überwinden. Der Gott, den Jesus verkündet, ist kein Gott im reinen Jenseits, sondern der Gott eines Diesseits, das er kennt, auf das er sich eingelassen hat und das seiner liebenden Aufmerksamkeit sicher sein kann.  
   
  Der Zentralsatz einer christlichen Erkenntnislehre könnte daher lauten, dass die Wirklichkeit nur erfahren wird, wenn man sich tatsächlich auf sie einlässt. Und zwar so, wie sich Gott in Jesus auf die Welt eingelassen hat.[13] Aufmerksamkeit, das ist die Erkenntnisform der Liebe.  
   
  Eine katholische Schule könnte Aufmerksamkeit auf das Neue und auch auf das Kleine einüben - und müsste sie natürlich selbst vorleben. Sie könnte den Mut vermitteln, in der Neugierde derer, die sich als Kinder Gottes glauben, alte Denkwege zu verlassen.  
   
  Aufmerksamkeit, das ist nicht zuerst Vielwissen, sondern eine Haltung des Sich-Verstören-lassens durch die eigene Erkenntnis, durch die eigenen und fremden Erfahrungen. Das ist die Fähigkeit hinzuschauen, wo andere wegschauen, das ist der Mut zu benennen, was man sieht und nicht zu schweigen, nur weil es alle tun oder weil unbequem ist, was man da sieht. Aufmerksamkeit, das fordert auch den Ausbruch aus dem eigenen Ich-Panzer und bedeutet die Fähigkeit, sich vom Erkannten verändern zu lassen. Sie erfordert dann bisweilen auch, das, was Paulus parrhesia nennt, die Tugend des Freimuts.  
   
  Gegenwartssensible, mutige Aufmerksamkeit auf die Welt, die Schüler und Lehrer umgibt: das könnte eine katholische Schule, die von Gottes Aufmerksamkeit auf uns weiß, auszeichnen.[14] Und das heißt natürlich auch: sie selbst müsste sich auszeichnen durch größere Aufmerksamkeit füreinander, der Lehrer/innen für die Schüler/innen, aber auch der Schulleitung für die Lehrer/innen und des Lehrpersonales untereinander.  
   
  Das meint nicht einfach inszenierte Harmonie und Fröhlichkeit, im Gegenteil: es meint Ehrlichkeit im Umgang miteinander und echtes Interesse aneinander. Nicht so sehr als moralisch zu erfüllende Forderung, sondern aus dem Wissen des Glaubens, das im anderen, in jedem anderen ein Geheimnis steckt, ein Geheimnis Gottes zuletzt, der alle Menschen zu sich beruft und daher die Menschen füreinander zu einem seiner Zeichen macht.  
   
  Wer sich vom Gott Jesu getragen glaubt, kann auf dessen Welt voller Neugierde und Entdeckungsfreude zugehen, er kann das Abenteuer des Geistes und des Lebens wagen und Schule sollte zu beiden Abenteuern anstacheln.  
   
  Solidarität mit den Menschen  
   
  Aufmerksamkeit, liebende Aufmerksamkeit zumal ist bereits eine Form jenes zweiten Prinzips, das ich empfehlen möchte: Solidarität.  
   
  Ich möchte an dieser Stelle meiner Überlegungen eine biblische Figur einführen. Eine Randfigur und unscheinbar wie wir und noch dazu auf der falschen, der Siegerseite, wie wir meistens ja auch. Einer, der eigentlich in seinem Handeln sich normalerweise nicht durch irgendwelche Skrupel unterbrechen lässt und dessen Sache das Denken nicht ist. Und der doch eine Erkenntnis gewinnt, die ihm zur Glaubenserfahrung wird.  
   
  Die, deren Sache das Denken ist, kommen an dieser Stelle der Bibel übrigens auch vor - und schlecht weg. Die Schriftgelehrten tun, was sie immer gerne tun, wenn sie unsicher werden: sie spotten. Ihnen wird ihre intellektuelle Überlegenheit zum Verhängnis. Denn sie macht nur zu leicht unaufmerksam und unsolidarisch. Sie wissen alles und sehen nichts. Ein anderer weiß nicht viel, aber er sieht das Entscheidende: einen leidenden Menschen. Und er erkennt in ihm Gott.  
   
  Ich spreche vom römischen, vom heidnischen Hauptmann unter dem Kreuz. Der sah, wie Jesus stirbt und erkennt, wer dieser Mensch ist. Das Kriterium für die Entdeckung Gottes ist, glaubt man dem Evangelium, die Offenheit für die Wirklichkeit und die Solidarität mit den Leidenden. Ohne sie kann man den Gott Jesu nicht entdecken, ist das Reden von ihm und der zur Schau gestellte Glaube an ihn Verhöhnung Gottes, also Blasphemie.  
   
  Ein zentrales Kriterium der realen Entdeckung Gottes in den vielen Phänomene der Welt ist offenbar die Fähigkeit zu solidarischem Mitleiden. Katholische Schulen könnten dies praktizieren und so diese Fähigkeit bei ihren Schülerinnen und Schülern grundlegen. Indem sie dies tun, verkündigen sie den Gott unseres Glaubens.  
   
  Vielleicht ist an dieser Stelle auch ein kleiner Seitenblick zum Bildungsbegriff erlaubt. Aus seiner Herkunft im Deutschen Idealismus ist ihm ja der Gedanke eingeschrieben, dass das Ziel von Bildung nicht zuerst die gesellschaftliche Brauchbarkeit des Gebildeten zu sein habe, sondern seine personale Entwicklung, seine, etwas pathetisch gesagt: Menschwerdung. Ich halte dies, wenn man es heute vielleicht auch etwas nüchterner formulieren würde, weiterhin für einen Grundsatz katholischer Bildungsarbeit, gerade in Schulen.  
   
  Er ist nämlich auch die Konsequenz des Solidaritätspostulats, das von den Lehrern und Lehrerinnen fordert, solidarisch mit den spezifischen Entwicklungsnöten ihrer Schülerinnen und Schüler zu sein und diese als eigenständige, eigenwertige Persönlichkeiten zu sehen, unabhängig noch einmal von ihrer gesellschaftlichen "Brauchbarkeit", so sehr die Schule natürlich, auch im Interesse der Schülerinnen und Schüler selbst, Fähigkeiten vermitteln muss, die den Schülerinnen und Schülern erlauben, sich einen Platz in dieser Gesellschaft zu erarbeiten.  
   
  Kritik der falschen Götter  
   
  Aufmerksamkeit und Solidarität hatte ich als konkrete Handlungskonsequenzen unseres Glaubens genannt. Es kommt noch eine dritte hinzu: die Kritik der falschen Götter.  
   
  Von Gott in Wort und Tat zu reden bedeutet nämlich immer und in gewissem Sinne zuerst Kampf gegen die Götzen. Götzen sind Götter, die ins Unheil führen. Die Rede von Gott hat zuerst eine kritische Aufgabe: zu sagen, was Gott nicht ist und was nicht Gott ist. Sie ist Wissen von den falschen Göttern und gerade darin Glauben an den richtigen.  
   
  Jede Rede von Gott hat daher vor allem falsche Götter zu identifizieren. Es gibt hierfür Kriterien. Im Wesentlichen wohl zwei: ein formales und ein materiales. Das formale Kriterium ergibt sich aus der Gleichzeitigkeit von grundsätzlicher Entzogenheit und gleichzeitiger ebenso grundsätzlicher Entdeckbarkeit des biblischen Gottes. Alle Götter, die dieser Dialektik nicht unterliegen, sind Götzen.  
   
  Das sind alle Götter, die im Munde ihrer Verkündiger Verfügungsmasse eigener Interessen sind, die nicht vom einzelnen je neu in seinem Leben, in seiner Wirklichkeit ihre Entdeckung einfordern, sondern deren Präsenz behauptet und daher von den anderen Menschen eingefordert wird. Umgangen wird damit die grundsätzliche Unverfügbarkeit Gottes für uns Menschen. Götzen sind jene Götter, die funktionieren, sei es im Interesse von staatlicher oder religiöser Herrschaft, sei es im Interesse eines "guten Lebens" des einzelnen, seiner selbstzufriedenen Behaglichkeit, seiner befriedeten Existenz. Diese Struktur des jesuanischen Gottesbegriffes sichert die religions- und gewaltkritische Funktion des Gottesbegriffs. Denn sie sichert die Nicht-Verfügbarkeit des Gottesbegriffs durch jene, die an ihn glauben.  
   
  Diese Nicht-Verfügbarkeit des Gottesbegriffs durch jene, die an ihn glauben, sie könnte für katholische Schulen ein zentrales Kriterium sein: sprechen sie von etwas, das sie zu besitzen meinen und das sie anderen dann einfach so weitergeben, oder lassen sie ahnen, dass sie alle gemeinsam, Schüler wie Lehrer wie Schulleitung unter diesem einem Geheimnis des entzogenen, unverfügbaren Gott stehen? Oder anders gesagt: stellt sich eine Schule selbst unter die Kritik des Gottes Jesu oder sich selbst an dessen Stelle, als letzte welterklärende Instanz, vielleicht dann auch noch sich selbst immunisierend mit dem Gottesbegriff?  
   
  Oder noch einmal anders gesagt: Kann man in katholischen Schulen die schöne alte Erfahrung des Psalmisten machen, der singt: "Unsere Seele ist wie ein Vogel entkommen dem Netz des Jägers; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei" (Ps 124,7), oder singt man so, wenn man sie verlässt?  
   
  Der Glaube an Gott ist in diesem Sinne Kritik jedes Autoritarismus. Autoritarismus ist Herrschaftsausübung, die sich selber gegenüber Kritik immunisiert, sich an keine ihr überlegenen Kategorien bindet und, im religiösen Bereich, Gott dazu benutzt, die eigenen Herrschaftsinteressen abzusichern und zu immunisieren. Das ist gegenüber dem Gott Jesu die reine Blasphemie und pädagogisch die tendenzielle Zerstörung des Kindes mit Hilfe eines Macht-Götzen. Es ist genau die Gegensituation zur Machtlosigkeit Jesu am Kreuz.[15]  
   
  Ich vermute, jeder Pädagoge weiß sehr genau, was Machtlosigkeit bedeutet. Ich vermute auch, dass diese mit jeder verantwortungsvoll angegangenen Erziehungsaufgabe verbundene Erfahrung von Machtlosigkeit, weil Unverfügbarkeit, einer der Gründe ist, warum Pädagogen und Pädagoginnen keine ihrer Bedeutung entsprechendes Ansehen genießen. Katholische Pädagogen und Pädagoginnen können in dieser Machtlosigkeit die Machtlosigkeit Gottes uns Menschen gegenüber entdecken, eine Machtlosigkeit, die Gott freiwillig eingegangen ist und die katholische Pädagogen und Pädagoginnen nie überspielen dürfen mit Machtspielen und schon gar nicht mit solchen, die Gott dafür funktionalisieren.  
   
  Zudem gilt: Alle Götter, die nicht auf der Seite der Leidenden und Bedrängten stehen, sind Götzen. Das ist denn auch das materiale Kriterium einer jeden Götzenkritik. Sie liegt in der von Jesus radikal vollzogenen Identifikation von Gottes- und Nächstenliebe. In den Worten des 1. Johannesbriefs: "Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner" (1 Joh, 4, 19).  
   
  An katholischen Schulen ist der notwendige Streit um Gott zu führen, hier wäre Götzenkritik und Horizonteröffnung einzuüben. Es ginge um die Entdeckung des Reichtums menschlicher Erfahrungen im Horizont jenes Gottes, dessen Reichtum unsere Hoffnungen grenzenlos übersteigt - notwendig ist daher die Kritik aller Stumpfheit, Trägheit, Erwartungslosigkeit des eigenen Lebens.  
   
  Es ginge um die Relativierung des eigenen Ichs vor dem Horizont jenes Gottes, der Himmel und Erde geschaffen hat - und daher um die Kritik aller Selbstüberschätzung im Umgang mit sich und anderen, Kritik aller Hoffnungen und Konzepte der Selbsterlösung. Es ginge um die Befreiung aus fesselnden Abhängigkeiten im Horizont eines Gottes, der sein Volk aus dem Sklavenhaus geführt hat - und daher um die Kritik aller unterdrückenden Strukturen und Konstellationen: im Leben des einzelnen wie im Handeln der Institutionen und Völker. Es ginge um Anerkennung und Befreiung von der eigenen Schuld im Horizont eines Gottes, der uns und unser Leben in Jesus unendlich ernst genommen und erlöst hat - und daher um die Kritik eines für fremde und eigene Schuld unsensiblen und daher menschenverachtenden Lebens.  
   
  Was kann katholische Schule heute noch leisten? Ich denke, es ist klar geworden, was sie nicht mehr leisten kann. Sie kann sich nicht mehr einfach einbetten in eine sozial codierte katholische Normalität, kann sich nicht darauf verlassen, selbstverständlicher Teil eines sozialisatorischen Zusammenspiels der katholischen Normalbiographie zu sein. Sie muss vielmehr selbst und eigenverantwortlich für sich an ihrem Ort definieren, was ihr das katholische Merkmal bedeutet, wie sie es umsetzt, vor allem im konkreten Handeln. Stichworte hierfür könnten sein: Aufmerksamkeit auf die Welt, Solidarität mit den Menschen und Kritik aller falschen Götzen.  
   
  Vor allem aber sollten katholische Schulen einen permanenten internen Prozess zur Beantwortung dieser Fragen organisieren. Einen Prozess, der offen und unter Beteiligung möglichst vieler abläuft, der klar unrealistische Erwartungen abweist, sich aber realistische Ziele setzt, Ziele, die motivieren und vielleicht sogar, idealtypisch, eine wirklich inspirierte Atmosphäre der Zusammenarbeit schaffen.  
   
  Es geht in der katholischen Schule wie an allen pastoralen Orten darum, dass spürbar wird, welche Gnade Gott für uns übrig hat. Warum sollte das nicht auch in einer Schule möglich sein?  
   
   
 
 
   
  * Prof. Dr. Rainer Bucher ist Leiter des Instituts für Pastoraltheologie und Pastoralpsychologie an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Graz.  
   
 
 
   
 

Literatur:

 
   
 
[1]Zum Folgenden vgl.: K. Gabriel, Christentum zwischen Tradition und Postmoderne, Freiburg/Br.-Basel-Wien 1992;  Ders./F.-X.Kaufmann (Hrsg.), Zur Soziologie des Katholizismus, Mainz 1980.

[2]Siehe hierzu: R. Bucher, Der Glaube, die Kirche, die Moderne. Wider die falsche Alternative Liberalität oder Entschiedenheit, in: A. Schavan (Hrsg.), Dialog statt Dialogverweigerung, Kevelaer 1994, 220-225.

[3]Für Österreich siehe: A. A. Bucher, Religionsunterricht. Besser als sein Ruf? Empirische Einblicke in ein umstrittenes Fach, Innsbruck-Wien 1996, für Deutschland: Ders., Religionsunterricht zwischen Lernfach und Lebenshilfe. Eine empirische Untersuchung zum katholischen Religionsunterricht in der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart-Berlin-Köln 22000. Die aktuelle politische Diskussion zum Religionsunterricht wird resümiert bei: K. Boehme, Von mehreren Seiten unter Druck. Herausforderungen und Chancen für den Religionsunterricht, in: Herderkorrespondenz 54 (2000) 459-464, die (kirchen-)rechtliche Lage bei: W. Rees, Religionsunterricht und katholische Schule im Kontext religiöser Erziehung. Rechtsgrundlagen und gegenwärtige Diskussion, in: ZKTh 118 (1996) 187-204.

[4]Vgl. hierzu: M. N. Ebertz, Kirche im Gegenwind. Zum Umbruch der religiösen Landschaft, Freiburg/Br.-Basel-Wien 1997, 83-97.

[5]Zahlen bei: R. Steinbiller, Die katholische Schule als Wirtschaftsfaktor, in: Ordensnachrichten 36 (1997) 27-36.

[6]Vgl. dazu: R. Bucher, Probleme der Kirchenbildung. Pastoraltheologische Überlegungen zu Ursachen und Konsequenzen horizontaler und vertikaler Desintegrationstendenzen der katholischen Kirche, in: A. Franz (Hrsg.), Die Krise im Verhältnis von Ortskirche und Weltkirche. Diagnosen und Perspektiven, Freiburg/Br-Basel-Wien 2001.

[7]Über deren historische Entwicklung wie faktische und konzeptionelle Vielfalt gibt für Deutschland einen breiten und instruktiven Überblick: R. Ilgner (Hrsg.), Handbuch Katholische Schule, 6 Bde., Köln 1992-1994.

[8]G. Langenhorst weist mit Recht darauf hin, dass die "Frage nach dem ´katholischen Profil´" bisweilen "vor Ort oft bis zur Verkrampfung" vorangetrieben werde (Schule im Zeichen Jesu. Ein kritisch-konstruktiver Blick auf Katholische Schulen, in: renovatio (1997) 238-245, 239. Ich plädiere hier dafür, das Adjektiv "katholisch" als (primär gerade nicht nur finanzielle) Ressource zu verstehen: und über deren Vorhandensein freut man sich. Ressourcen müssen dann aber auch tatsächlich zu etwas gut sein. Das ist eine Faktenfrage und betrifft beide Seiten: jene die sie benötigen, wie jene die sie bereitstellen. Die einen müssen die richtigen Anforderungen stellen, die anderen die richtigen Mittel bereitstellen. Daran mangelt es aber m.E. institutionell wie inhaltlich.

[9]GS 1 (LThK.E. 281)

[10]Zum Pastoralbegriff des Konzils siehe: E. Klinger, Armut - eine Herausforderung Gottes. Der Glaube des Konzils und die Befreiung des Menschen, Zürich-Einsiedeln-Köln 1990, 96-134, dazu: R. Bucher, Kirchenbildung in der Moderne. Eine Untersuchung der Konstitutionsprinzipien der deutschen katholischen Kirche im 20. Jahrhundert, Stuttgart 1998, 223-232.

[11]Vgl. etwa: E. Jooß/W. Ross (Hrsg.), Katholische Kindheit. Literarische Zeugnisse, Freiburg/Br.-Basel-Wien 1988.

[12]Vgl. dazu: A.N. Whitehead, Wie entsteht Religion? Frankfurt/M. 1985, 48.

[13]Vgl. dazu die sehr eindringlichen Ausführungen bei: M. Wörther, Als ich noch älter war. Durch Dogmen das Leben entdecken, Würzburg 1996, 109f.

[14]Für katholische Schulen, die vielleicht tatsächlich aus (wieder) guten, weil frauenfördernden Gründen an ihrer althergebrachten Geschlechtertrennung festhalten, gehört zu dieser Aufmerksamkeit auch die Sensibilität für die völlige Neuchoreographie der Geschlechterverhältnisse in den westlichen Gesellschaften. Davon zeugt der Artikel von E. Schmitz, Warum heute noch ein katholisches Mädchengymnasium? (Katholische Bildung 98 [1997] 21-29) leider nicht.

[15]Siehe dazu: H.-J. Sander, Macht in der Ohnmacht, Freiburg/Br.-Basel-Wien 1999.