Integration behinderter Kinder unter theologischen und pädagogischen Aspekten  
Karen Lohrmann*(08.08.2002)
 
a    
  Integration kann nicht nur aus pädagogischer Sicht betrachtet werden. Das Thema ist zu komplex, da zu viele verschiedene Bereiche, Gesichtspunkte und Aspekte miteinander verknüpft sind. Theologische und philosophische Gedanken und Fragen müssen in pädagogische Überlegungen mit einfließen, ebenso ethische und gesellschaftspolitische.  
a Gerade heute, denken wir an die gentechnischen Fortschritte, ist es noch bedeutender und notwendiger geworden, die Themen Behinderte, Behinderung, Behindertenpädagogik und Integration in die Öffentlichkeit zu bringen.  
  Eine pädagogische Argumentation ist abhängig von dem zeitgeschichtlichen Denken. Hier kann und muss die Theologie sich einmischen, Position beziehen, gesellschaftspolitisch zukunftsweisend wirken.  
   
  Behinderung und Gesellschaft  
a Welcher Mensch mit welchen Eigenschaften als behindert empfunden wird, ist meist abhängig vom allgemeinen Normensystem und den Lebensgewohnheiten einer Gesellschaft. Die gesellschaftliche Ordnung ist es, die die Maßstäbe im Laufe einer langen Entwicklung begründet. In der Steinzeit galt ein einseitig mathematisch begabter Mensch sicher eher als "behindert" als ein handwerklich geschickter Mensch. In unserer Leistungsgesellschaft heute haben wir andere Maßstäbe. Diese Maßstäbe entstanden aus dem jeweiligen Denken der Menschen und sind folglich veränderbar.  
  Die Werte und Normen einer Gesellschaft werden "von gesellschaftlich einflußreichen Gruppen sowie abhängig von technischen, sozioökonomischen und historisch-politischen Entwicklungen ständig modifiziert."[1] Dadurch verändern sich unaufhörlich die Normalitätsbegriffe und damit auch die Frage, wer als behindert und wer nicht als behindert anzusehen ist. Die Grenzen zum "Normalen" werden verschoben, die Gesellschaft definiert, wer behindert "ist" und wer nicht.  
So ist die Grenze zwischen Nichtbehinderten und Behinderten fließend; dies gilt sowohl hinsichtlich der organischen Schädigungen, als auch hinsichtlich der Lebensmöglichkeiten.  
  Gesamtgesellschaftlich gesehen werden Behinderte ausgegrenzt, für sie gelten andere Ansprüche und Pflichten. Durch diese Ausgrenzungen sorgt die Gesellschaft dafür, dass ihre Normen und Ziele durch diese behinderten Menschen nicht relativiert und gefährdet werden und dient damit auch als Rechtfertigung gegenüber sich selbst. Werden Abweichende integriert, dann nur auf die Art und Weise, dass sie sich an die bestehenden gesellschaftlichen Normen anpassen und sich einfügen sollen. Eine Änderung des bestehenden Systems wird nicht oder zu wenig in Betracht gezogen.  
  So verbringen viele behinderte Menschen, wenn sie nicht nur in ihrem Schonraum leben, ihr Dasein isoliert von dem gesellschaftlichen Leben, da die Gesellschaft ihre Mitglieder beinahe ausschließlich an deren ökonomischer Verwertbarkeit misst. Normal ist, wer bereit und in der Lage ist, die in der Schule, in der Ausbildung, im Arbeits- und Verwertungsprozeß geforderten Leistungen zu erbringen. Behindert ist, wer diesen Anspruch nicht einlösen kann. Den Leistungsanforderungen kann nur derjenige standhalten, der gesund ist. So werden Behinderungen als eine Art Krankheit angesehen, deren Eigenschaften die lange Dauer und die Schwere sind. Dadurch werden die behinderten Menschen mitleidvoll und ihr Schicksal als bedauernswert angesehen. Dass sich aber betroffene Personen häufig gerade nicht als krank bezeichnen, ihre Behinderung vielmehr als den >gesunden< Zustand ihres Lebens verstehen, kann dabei nicht in den Blick kommen.  
  Ist es also nötig, dass sich der Behinderte an die Lebensformen und Lebenseinstellungen der Nichtbehinderten anpassen muss, was ist, wenn er nicht kann oder will? Sollte unsere Gesellschaft den Behinderten die Entwicklung eigener Lebensformen ohne Isolation nicht ermöglichen und zugestehen? Hierfür müssten die Nichtbehinderten sich und ihre Lebensformen in Frage stellen lassen und sich nicht als selbstverständlich und als Norm betrachten, sondern sollten sich mit Erwartungen und Institutionen auf die Behinderten hin verändern.  
  Der erste Schritt hierzu wäre also, durch eine schrittweise Integration die Behinderten wieder in das gesellschaftliche Leben einzugliedern.  
   
  Was bedeutet Integration?  
  Der Begriff "Integration" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Wiederherstellung eines Ganzen".[2] Grundworte sind das lat. Verbum "integrare" ("ergänzen") und das Adjektiv "integer" ("unberührt", "ganz"), die auf die Stammwörter "tangere" ("berühren"), "tactus" ("Berührung") und "intactus" ("unberührt", "ganz") zurückzuführen sind.[3]  
  "Integration bedeutet in seiner soziologischen Verwendung die Verbindung einer Vielfalt von Einzelnen oder von Gruppen zu einer gesellschaftlichen Einheit, d.h. das Aufeinanderzubewegen aller, eben nicht ´Anpassung`."[4]  
a Für die Schule bedeutet hier Integration die gemeinsame Erziehung und Bildung von behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen in den Einrichtungen des Bildungswesens.  
  Die schulpolitische Forderung, behinderte Kinder und Jugendliche in ein Regelschulsystem zu integrieren, bedeutet zunächst nichts anderes als ein Normalisierungskonzept, d. h. dass die behinderten Menschen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben sollen. Ihre Partizipation soll nicht durch eine institutionelle Trennung schon im Voraus bestimmt sein.  
  Um eine volle Integration zu erreichen, müssen nicht die Behinderten normalisiert werden, damit ein Zusammenleben möglich wird, sondern die Gesellschaft und ihre Institutionen müssen sich verändern.  
   
  Behinderung und Krankheit in der Bibel  
  In der Bibel kommt der Begriff ´Behinderung` nicht vor, er ist jüngeren Datums. Dennoch wird in der Bibel von Menschen mit Behinderungen in vielen Zusammenhängen berichtet, aber ebenso von Menschen mit Krankheiten im Sinne von taub, stumm und lahm.  
  Auf die Frage nach dem "Warum" und "Wozu" der Krankheiten und des Leidens finden sich im Alten Testament unterschiedliche Antworten.  
 
  1. Das religiöse Tat-Folge-Denken erklärt Krankheitsphänomene als von Gott so gewollt und als gesandte Strafe für Verletzungen des Treueverhältnisses zwischen Jahwe und seinem Volk. Als Strafmaßnahme für Fremdgötterabfall gilt der Aussatzbefall Mirjams in Num 12, die Schlangenplage in Num 21 und auch die Seuche von Num 25. Krankheitserscheinungen galten als göttlicher Zorn und erste Sanktionen. In Ex 23, 25 wird es deutlich, wenn Gott spricht: "Aber dem Herrn, eurem Gott, sollt ihr dienen, so wird er dein Brot und dein Wasser segnen und ich will alle Krankheiten von dir wenden." Zu Zeiten des Alten Testaments sahen die Menschen in jeder Krankheit eine Folge ihrer Sünden und damit eine Strafe Gottes. Seybold/Müller sind der Ansicht, dass aus diesem Grund jegliche Einrichtungen zur Krankenpflege oder Familienfürsorge nicht existierten.[5] Als typisches Beispiel für die Vergeltungslehre führt Szagun das Hiobbuch an. So war für die Menschen Gott insofern ein gerechter Gott, als er jedem das Schicksal zukommen lässt, das ihm gebührt. Dabei wird allein aufgrund einer Krankheit auf eine Schuld geschlossen. Das Leiden hat immer einen Grund, der aber für den Betroffenen nicht unbedingt erkennbar ist. Hiob ist der erste, der diesen Tun-Ergehen-Zusammenhang anzweifelt. Dass der Kranke automatisch als Sünder stigmatisiert wird, hat Konsequenzen in kultischen, juristischen und sozialen Bereichen. Der Mensch vereinsamt zunehmend. Durch die Reinheitsvorschriften geraten die Kranken immer mehr in die Außenseiterrolle, gegen die sich das Neue Testament wendet. Vereinzelt finden wir auch im Alten Testament ein Revoltieren gegen die Nicht-Heilung der unverdienten Krankheit (Ps 73; Hi 9,18ff).
  2. Ein weiterer Deutungsversuch von Krankheit ist das Leiden als Prüfung des Menschen, als eine Art Erziehungsmittel. Unter diesem Deutungsaspekt ist das Leiden Hiobs eine Prüfung seines Glaubens. Hiob muss hierbei Schmerz durch Krankheit und Verlust bewältigen. Diese Deutung von Krankheit und Leid ist bis in die Gegenwart hinein anzutreffen.[6]
 
  Im Neuen Testament weist nichts auf eine neue Sinndeutung des Leidens hin. Behinderung, Krankheit und Armut werden in den Evangelien kaum thematisiert als etwas, mit dem man leben muss. Im Gegenteil, es erscheint hauptsächlich als etwas, was erwähnt wird, um durch Wundertaten beendet zu werden.  
  Heilung geschieht durch die Aufhebung von Schranken. Jesus wendet sich den sozial Benachteiligten zu und lässt sie Gottes Liebe spüren. So schreibt auch Nipkow in dem Buch "Evangelium und Behinderte", dass es in den Evangelien um die Erfahrung geht, dass wir trotz eines Beschädigtseins vor Gott heil und ganz sind.[7]  
   
  Begründung der Integration aus christlicher Sicht  
  Hauptgrundlage für das christliche Integrationsverständnis ist in erster Linie die Aussage über die Gottebenbildlichkeit der Menschen im Alten Testament.  
   
  In Gen. 1, 26- 27 heißt es:  
  "Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib. Und Gott segnete sie [...]."  
  Mit Abbild bzw. Ebenbild Gottes ist nicht der Mensch als Einzelmensch gemeint, sondern die gesamte Menschheit.[8]  
  Eine weitere Grundlage für das christliche Integrationsverständnis wird in der Erzählung in Mk 12, 28- 34 deutlich. Dort wird Jesus die Frage nach dem höchsten Gebot gestellt. Jesus antwortet, das wichtigste sei das Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe. Die Gottesliebe zeigt sich in der Nächstenliebe, im Dienst am Nächsten, an allen Nächsten. Dazu gehört auch der Gedanke der Gotteskindschaft aller Menschen. Alle Menschen sind von Gott und damit in ihrer persönlichen Art und Weise bejaht, daher müssen alle Menschen gleiche Rechte und gleiche Achtung erfahren. Dieses Menschenbild betont die selbstverständliche Dazugehörigkeit aller Menschen zur Gemeinschaft. Jesus lebt uns dieses Menschenbild vor, indem er sich besonders um die Ausgegrenzten kümmert und der sozial randständigen Menschen annimmt. Die Liebe Gottes und der Sinn des obersten Gebots werden hier für jeden sichtbar. So sollte jeder Mensch in gegenseitiger Hilfe, in der Gleichberechtigung mit den anderen Menschen, ob behindert oder nicht, leben, auch in Gal 6, 2 wird darauf hingewiesen: "Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen."  
   
  Eine integrative Perspektive bieten u.a. auch folgende Texte:  
 
  • 1.Kor 12 (viele Gaben - ein Geist)
  • Gal 3, 28 (Gerechtigkeit aus dem Glauben: "Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus" V 28)
  • 1.Petr 4, 10 (Vom Leiden und Leben der Christen: "Und dient einander, ein jeder mit seiner Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes" V 10).
 
  Diese Texte sollen deutlich machen, dass es heute nur in Richtung einer wirklichen Integration gehen kann. Ein "Aufeinanderzubewegen von Menschen mit und ohne Behinderung..."[9]  
   
  Entwicklung der Integrationspädagogik  
  Geschichtliche Entwicklung  
  Die Sonderschule existiert bereits seit über 120 Jahren und ist aus bestimmten ökonomischen und sozialen Verhältnissen sowie bildungs- und gesellschaftspolitischen Bedingungen entstanden.  
  Um die Entwicklung der Integrationspädagogik zu verstehen, muss die Tradition der Sonderschulen in Deutschland berücksichtigt werden. Diese Tradition, die es in dieser differenzierten und verbreiteten Art in anderen Ländern so nicht gab und die durchaus ihre positiven Seiten hatte, war nun aber durch ihre jahrzehntelange Existenz die Hemmschwelle für eine Weiterentwicklung.  
  1965 wurde der Deutsche Bildungsrat gegründet. Damit wurde der Versuch unternommen, die Zusammenarbeit zwischen Politik und Wissenschaft zu verbessern. Bei den Diskussionen um die Bildungsreform wurde die isolierte Stellung der Sonderschulen deutlich. Um dies zu verändern, kamen verstärkt die Begriffe "Chancengleichheit" und "soziale Integration" auf. Die schichtspezifische Auslese sollte durchbrochen werden.  
  Ein langsamer Rückgang der Sonderschulen konnte zu Beginn der 70er Jahre vermerkt werden. Der Begriff Integration tauchte immer häufiger in den Medien auf. Die Beispiele aus den USA und Italien führten auch in Deutschland dazu, dass immer mehr Befürworter sich für die Integration öffentlich einsetzten. Jedoch wurden diese integrationswilligen Sonderpädagogen von der "aussonderungsorientierten Mehrheit ihrer BerufskollegInnen als ´Nestbeschmutzer`, ´Astabsäger` und vor allem als ´Ideologen` beschimpft!"[10]  
  In den 80er Jahren erlebte die Sonderschule, zeitgleich mit der Integrationsdiskussion, einen Strukturwandel. Die Schülerzahl an Sonderschulen ging in der Zeit von 1980- 1989 um 30% zurück. Die Integration von behinderten Kindern und Jugendlichen wird in vielen Teilen der Erde praktiziert. Die Länder der europäischen Union haben den integrativen Weg, mit unterschiedlicher Intensität, eingeschlagen. In den 70er Jahren hat sich die europäische Gemeinschaft bereits mit der Thematik Behinderung auseinandergesetzt, zu diesem Zeitpunkt allerdings mit der Priorität sozialer Rehabilitation und wirtschaftlicher Eingliederung. Der bildungspolitische Aspekt gewann erst in den 80er Jahren an Bedeutung.  
  In allen Mitgliedsstaaten der EU sind Ansätze der Integration zu sehen, in einigen Mitgliedstaaten sind gesetzliche Grundlagen für die schulische Integration schon verabschiedet worden. Ländern, die kein ausgebautes und differenziertes Sonderschulwesen haben, fällt die Integration leichter, sie kämpfen gegen weniger festgefahrene Strukturen und damit gegen weniger Gegenstimmen. Berührungsängste und Unsicherheiten, so schreibt Oertel, sind aber überall zu finden.  
  Etwa Mitte der 70er Jahre begann in Australien, Neuseeland, Kanada, den USA, Großbritannien, Italien und den skandinavischen Ländern eine allgemeine Schulreform, die Kinder mit Behinderungen oder Benachteiligungen aus dem allg. Schulsystem nicht mehr ausschloss. In Deutschland begann zu dieser Zeit erst langsam die Diskussion für oder gegen eine Integration.  
  Die OECD hat im Zeitraum von 1987- 1991 Daten von 21 Ländern erhoben, so dass ein Zahlenvergleich der Länder wie folgt aussieht:[11]  
   
  Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Integrations- bzw. Sonderschulen  
   
 
  Land Integrationsquote Anteil der Sonderschüler an allen Pflichtschulen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf
1. Norwegen fast 100% nahezu 0 % 6 %
2. Italien fast 100% 0,03% 1,30%
3. Island 92% 0,60% 15,70%
4. Portugal 70%    
5. Spanien 50% 1% 2%
6. Schweden 36% 1% 1,60%
7. Dänemark 30% 1,63% 13%
8. Luxemburg ca. 30%    
9. GB ca. 30% 1,3% 1,85%
10. Österreich ca. 25% 2,55% 3,4%
11. Frankreich 8% 2,90% 3,6%
12. Finnland 0% 2,80% 16,50%
13. Belgien unter 5% 3% 3%
14. Deutschland unter 5% 6,7%(nur in BRD) 7% (nur in BRD)
15. Schweiz geschätzt unter 5% 5,6% 5,8%
16. Griechenland niedrig 0,38% 0,86%
17. Irland 0%?? 1,70% 1,70%
18. Niederlande ???? ?????? 3,6% bis 1996
 
   
  In Norwegen und Italien wurden in den 70er bzw. 80er Jahren die Sonderschulen systematisch geschlossen.  
  Die spanischen Daten beziehen sich auf den Zuständigkeitsbereich des Erziehungsministeriums, dem 45% aller Schulkinder unterstehen.  
  Die Niederlande haben mit dem Schuljahr 1996/97 für alle Schulstufen die Integration eingeführt; infolge dieser radikalen Umstellung liegen keine aktuellen Daten vor. Die schlechte Stellung Deutschlands spricht für sich.  
   
  Beispiel Italien  
  Milani-Comparetti war einer der bedeutendsten Befürworter der italienischen Integration. In Italien wurden schon seit Anfang der 70er Jahre behinderte Kinder in Regelschulklassen aufgenommen, zu Beginn aufgrund von engagierten Eltern und vor allem Lehrern, die sich eine Integration zutrauten und deren enormes Gewicht erkannten. 1976 wurde in Italien die Sonderschule per Gesetz abgeschafft, es gab "nur noch einige Heime für die Pflege und Betreuung schwerstbehinderter Kinder und Erwachsener."[12] 1977 wurde die Zifferzensur abgeschafft. An die Stelle der Benotung sind Beschreibungen getreten, die den Eltern Auskunft über den Entwicklungsstand ihres Kindes geben. Es gibt auch keinen Schulreifetest mehr, jedes Kind eines Geburtsjahrgangs hat das Recht darauf, mit Gleichaltrigen eine Schule zu besuchen. Am Ende der achtjährigen Schulpflicht erhält jedes Kind eine Bescheinigung, dass es die Schulpflicht erfüllt hat, mit dieser Bescheinigung kann es sich dann in einem Zweig der Oberschule einschreiben. Eltern geistig behinderter Kinder werden kaum den Weg des Gymnasiums wählen. Es gibt handwerklich ausgerichtete Schulen, die diese Kinder besuchen können.[13]  
  In Italien hat die Schule, entgegen skeptischer Meinungen, die Behinderten aufgenommen, ohne bis ins letzte Detail auf jede Situation mit den behinderten Kindern vorbereitet gewesen zu sein. Die Schule hat sich langsam durch diese Kinder verändert. Die Schule wurde nicht zuerst verändert, bis einige Behinderte eingeschult werden durften, sondern die Behinderten konnten die Schule allmählich verändern.  
  Dennoch war es auch in Italien nicht immer nur einfach. Die Gegner der Integration befürchteten eine zu hohe Aufmerksamkeit des Lehrers für die behinderten Kinder, so dass die "normalen" Kinder zu kurz kommen könnten und die Leistungen sich vermindern würden. Lehrer, so sagten sie, seien keine Therapeuten, sondern dafür da, Wissen zu vermitteln. Sie seien auch keine Fürsorger für die, die ihnen nicht folgen können. Für die behinderten Kinder ist in Sondereinrichtungen geschultes Personal, die die Kinder in richtigem Maße fördern und auch bilden können, sicher zielgerichteter einsetzbar als Lehrer in Regelschulklassen.  
  Die Praxis der Integration in Italien hat trotz der Ängste und der Skepsis der Gegner gezeigt, dass sich der Lehrer nicht mehr um die behinderten Kinder kümmern muss als um die anderen. Dies ist schon aus dem Grund wichtig, dass die Behinderung der einzelnen Kinder nicht in den Mittelpunkt rückt und sie als etwas anderes und besonderes vor den übrigen Kindern hinstellt. In Italien gewannen viele schließlich die Einsicht, auch auf politischer und weltanschaulicher Ebene, dass Aussonderung und Auslese als Naturprinzip nur menschenunwürdige Lösungen darbieten können.  
  So hat in Italien die Schule also langsam durch die Anwesenheit der behinderten Kinder verändert, ohne präzise Planung und ohne Schulreform: durch die Abschaffung der Noten in den acht Jahren der Pflichtschule, durch kleinere Klassen in Integrationsklassen und durch Stütz- und Sonderschullehrer.  
   
  Integrationspädagogik  
  Integration in der Diskussion  
  Um die Vorurteile und Ängste der Nichtbehinderten gegenüber den Behinderten abzubauen, muss mit der Integration möglichst in frühen Kindheitsjahren begonnen werden. Kinder sind am ehesten in der Lage, über Unterschiede und Verschiedenheiten hinwegzusehen.  
  Was den Kindergarten anbelangt, sind sich die meisten Fachleute einig und befürworten eine Integration. Erst bei der Schule gehen die Meinungen auseinander. Strenge Integrationsbefürworter wollen eine Schule für alle Kinder. Sonderschulen sollen langfristig abgeschafft werden, die Grundschule - und langfristig alle Schulen - sollen so umgestaltet werden, dass sie der optimalen Förderung aller Kinder gerecht werden können. Doch eine integrative Beschulung der behinderten Kinder ist immer von dem einzelnen Fall, d. h. von der Behinderung und deren Implikationen abhängig. Hinzu kommen auch die Bereitschaft der Eltern, an einem Integrationsprozess mitzuarbeiten, und nicht zuletzt die Qualifikationen und Fähigkeiten der Lehrperson.  
  Wichtig ist aber auch, dass die Frage gestellt wird, ob es auch allen behinderten Kindern guttut, in einer Klasse mit Nichtbehinderten unterrichtet zu werden. Freymann spricht in diesem Zusammenhang von einer "Art Pseudoreligion, die die Idee der unbedingten Integration vorantreibt."[14]  
  Vielleicht wären Wahlmöglichkeiten für Eltern eine Lösung. Die betroffenen Familien sollten sich unter verschiedenen Schulen, auch Sonderschulen, die ihrer Meinung nach beste für ihr Kind aussuchen können. Lückenga sieht das Problem in den weiterführenden Schulen. Solange dort "in zu großen Klassen nicht leistungsdifferenzierter, sondern Frontalunterricht stattfindet"[15], wird sicher bei vielen Eltern die Entscheidung aus diesem Grund für die Sonderschule ausfallen.  
  Eine Alternative zwischen totaler Integration und totaler Sonderbeschulung ist "Integration durch Kooperation". Diese Theorie fordert sowohl einen Schutzraum für die behinderten Kinder, den nur eine sonderpädagogische Gruppe ermöglicht, als auch eine Begegnung mit Nichtbehinderten in Unterricht und Schulleben. Hier werden einzelne Stunden zusammen unterrichtet, Sonderschulklassen wie Regelschulklassen befinden sich in einem Schulhaus und nehmen gemeinsam an allen Schulaktivitäten teil. Wenn möglich, werden die Schüler je nach Behinderung langsam durch individuelle Förderung zurück in die Regelschulklassen integriert.  
  Schöler schreibt in ihrem Buch, dass sich nicht die Integrationsbefürworter rechtfertigen müssen, wenn es um die Möglichkeit einer gemeinsamen Schulzeit geht, sondern die Gegner: Die Aussonderung dieser Kinder aus der Gesellschaft bedarf einer Rechtfertigung . Es kann nicht nachgewiesen werden, dass es den behinderten Kindern in Sonderschulen und Sondereinrichtungen gesundheitlich besser geht. "Das Gegenteil ist der Fall."[16]  
  Die Idee der Integration beschränkt sich jedoch nicht nur auf Kindergarten und Schule, sondern hat das gesamte Leben im Blick, die gesellschaftliche Integration ist das Ziel. Aber eine gesellschaftliche Integration behinderter Menschen wird erst dann erreicht, wenn die Randgruppen der Gesellschaft, und dazu gehören die Behinderten eindeutig, völlig im öffentlichen Leben nicht nur toleriert, sondern auch akzeptiert werden. Dies kann nur erreicht werden, wenn die Integration in der Schule beginnt, denn die Integration in der Schule gilt als grundlegende Bedingung gesellschaftlicher Integration.  
   
  Integrativer Unterricht - eine neue Lehrmethode  
  Es gibt nach Feuser zwei Aspekte der Integration:  
  Zum einen den Versuch der "äußeren (Schul-) Reform des vertikal-hierarchisch gegliederten Schulsystems" [17], das selektiv einige behinderte Schüler aufnimmt und schult. Durch zieldifferenziertes Lernen und individuelle Curricula kommt es zu einer sog. äußeren Differenzierung des Unterrichts. Schon die besondere Behandlung der behinderten Schüler durch die Lehrkräfte macht aber diese Schüler für die "normalen" zu besonderen Schülern. Ihre Rolle als Behinderte wird dadurch verstärkt zementiert.  
  Zum anderen den Versuch der "inneren (Schul-) Reform" [18], die eine Überwindung des gegliederten Schulsystems ermöglicht. Die Schüler sollen gemeinsam unterrichtet werden, die Schüler erhalten ein zieldifferenziertes Unterrichtsangebot, welches mittels innerer Differenzierung "durch eine den unterschiedlichen Entwicklungsniveaus der Schüler Rechnung tragenden Individualisierung eines gemeinsamen Curriculums über alle (dann ohnehin nur noch formal zu verstehenden) Schulstufen hinweg zieldifferenziertes und kooperatives Lernen aller miteinander ermöglicht."[19]  
  Der Unterricht ist in Integrationsklassen meist offener organisiert, die Zeit des lehrerzentrierten Unterrichts ist meist auf ein Drittel reduziert, daher müssen die Schüler vermehrt in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit kooperieren, der Lehrer wird verstärkt als Helfer bei Problemen angesehen. Durch das Zwei-Lehrer-System können die einzelnen Kinder meist besser individuell gefördert werden. Die Zusammenarbeit unter den Schülern wird bewusst unterstützt.  
  Um eine ausreichende Förderung der behinderten Schüler in Integrationsschulen zu gewährleisten, sollten die sonderpädagogischen Qualifikationen künftig nicht nur auf das Lehramt an Sonderschulen beschränkt bleiben. Wenn jeder Lehrer ein gewisses sonderpädagogisches Wissen erhält, ließe sich eine Integration leichter realisieren.  
   
  Schulleistungsbewertung  
  Die Schule wurde immer mehr zu einer Leistungsschule durch die immer wichtiger werdenden Schulnoten, die durch den einheitlichen Abschluss der einzelnen Schulen eine höherer Bedeutung bekamen.  
  Damit die Noten hieb- und stichfest waren, mussten sich die Lehrer an messbarer Leistung orientieren, soziale und emotionale Leistungen waren nicht messbar, somit gerieten sie immer mehr in den Hintergrund und die messbare, kontrollierte Leistung war ausschlaggebend für eine Bewertung des Kindes.  
  Die Leistungsorientierung und das Leistungsverständnis in unseren Schulen sollten nun unter dem Aspekt der Integration überdacht und verändert werden.  
  Kritiker der Integrationsidee stellen häufig skeptisch die Frage, ob bei der gemeinsamen Beschulung behinderter und nichtbehinderter Kinder die Leistung nicht zu kurz komme. Zweifelsohne besteht bei der Beurteilung der integrativen Erziehung für die soziale Entwicklung der nichtbehinderten Schüler eine eindeutige Meinung. Bei der Frage nach der kognitiven Entwicklung teilen sich jedoch die Ansichten. In den Integrationsklassen gibt es eine weitaus größere Leistungsbreite als in normalen Schulen. Die guten Ergebnisse vieler Untersuchungen zeigen, dass in Integrationsklassen besonders lernschwache Schüler mitgeführt und angemessen gefördert werden können. Eine Auslese durch Sitzenbleiben findet praktisch nicht statt. Manche der lernschwachen Schüler würden in Regelschulen vielleicht durch Sitzenbleiben aus dem Klassenverband ausscheiden, in Integrationsklassen können sie durch die größere Leistungsspanne eher gefördert werden. Vermehrt gibt es aber auch Schüler mit guten bis sehr guten Schulleistungen. "Berücksichtigt man diese größere Leistungsspanne - im Gegensatz zu einer häufig angestrebten Egalisierung der Leistungen in einer >normalen< Klasse - so läßt sich insgesamt ein Zusammenhang zwischen integrativem Unterricht und positiver Schulleistungsentwicklung ableiten."[20] Was die Kinder am gemeinsamen Unterricht gut finden, lässt sich aus der folgenden Tabelle erlesen: Befragt wurden 67 Kinder der Integrationsklassen (Ikl) und 160 Schüler der Parallelklassen (Pkl). [21]  
   
 
Kategorien Ikl Pkl
Voneinander lernen (Leistung) 7 12
Voneinander lernen (soz.-emot.) 14 30
Behinderte profitieren (Leistung) 16 11
Behinderte profitieren (soz.- emot.) 22 17
Nichtbehinderte profitieren (soz.-emot.) 20 4
Integration ist selbstverständlich 16 1
Kann ich nicht beurteilen 1 3
Unter bestimmten Bedingungen 2 0
Alles 0 8
Weiß nicht 2 14
Anzahl der Nennungen 105 192
 
   
  Die Aussage, Integration sei etwas Selbstverständliches, kommt fast nur von Kindern der Integrationsklassen. Die Kinder wissen, dass die Umwelt nicht gleicher Ansicht ist, dass aber sie (die nichtbehinderten Kinder) dazu gehören, die ein gemeinsames Lernen als etwas ganz Normales erfahren haben. Auf die Frage, was am Unterricht nicht gut sei, antwortet aber nur ein Drittel der Kinder. Es fällt ihnen sichtlich schwer, einen Nachteil des Unterrichts anzugeben.  
  48 Negativnennungen verteilen sich auf viele Kategorien, die wichtigste ist die Bevorzugung Behinderter durch manche Lehrer. Weiter wurden Nachteile für Behinderte im Leistungsbereich laut und Abneigungen gegenüber speziellen Verhaltensweisen der behinderten Schüler.  
  Auf die Frage, was ´behindert` für sie sei, antworteten viele mit Begriffen wie Körper- oder Sinneseinschränkungen. Generell wurde auch häufig das Wort `Anderssein` verwendet. Es kommt zum Ausdruck, dass "Behinderung eine Sache des Körpers oder des Geistes, nicht aber des Charakters ist."[22] Viele Kinder wiesen darauf hin, dass Behinderung nichts Schlechtes sei, sondern dass die Behinderten vielleicht in anderen Sachen besser seien.[23] Insgesamt ist also festzustellen, dass sowohl behinderte, als auch nichtbehinderte Kinder ein gemeinsames Leben als normal ansehen und es ihnen gegenseitiges Verständnis und voneinander Lernen ermöglicht.  
   
  Integration und das Problem ihrer Umsetzung  
  Integration ist nur umsetzbar, wenn sonderpädagogische Inhalte in die Studiengänge aller Lehrer aufgenommen werden. Vor allem aber wird es schon im Studium der Lehrer darum gehen müssen, dass sich ein Bewusstsein für die Integration der Behinderten entwickelt. Von einer solchen Bewusstseinsdisposition her kann sich die heutige Selektionspraxis unserer Schulen verändern. Weiterhin ist Integration nicht umsetzbar ohne den Abbau des Leistungsdrucks an den Schulen. Dieser Leistungsdruck wurde durch das hierarchisch gegliederte Schulsystem verursacht, welches automatisch Selektionsmechanismen anwendet. Diese Grenze zu öffnen vermag nur das Individualisierungsprinzip für die Lernprozesse in den Schulen. Ein weiteres Problem für die generelle Einführung der Integration sind die Sonderschulen selbst. Sie möchten nicht der Integration zuarbeiten und damit ihre Auflösung möglich machen. Ein Vorgabepapier zur Revision des Bildungsplanes der Schule für Lernbehinderte (1987) beginnt mit dem Satz: "Grundlage der Revision des Bildungsplanes ist ein eindeutiges Bekenntnis zur Notwendigkeit der Schule für Lernbehinderte...".[24]  
  Allgemeine Pädagogik und Sonderpädagogik sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden, sondern eine Synthese bilden. Dazu wäre eine Auflösung der isolierten Sonderausbildungen nötig. "Wenn also integrative Erziehung und integrativer Unterricht zum Regelfall geworden sind, bedarf es keiner explizit als Integrationspädagogik bezeichnete Disziplin mehr. Pädagogik ist dann a priori integrative und damit Allgemeine Pädagogik."[25] Wann und ob dies je erreicht sein wird, ist fraglich, im europäischen Vergleich nimmt Deutschland mit einer Integrationsquote von ca. 5% lediglich Rang 14 ein. In Norwegen und Italien liegt diese Quote schon bei 100%, in Portugal bei 70% und in Spanien bei 50%, in Schweden, Dänemark, Luxemburg, Großbritannien und Österreich bei 30%.[26] (s.o.). Integration, deren Für und Wider in Deutschland diskutiert wird, ist in anderen Ländern längst üblich.  
   
  Resümee  
  Obwohl die internationale Entwicklung der Sonderpädagogik eindeutig in Richtung Integration geht und auch bei uns engagierte Pädagogen die Integrationspädagogik vorangetrieben haben, ebenso die Erfahrungen der letzten 20 Jahre mehrheitlich positiv waren, tut sich Deutschland schwer im Umsetzen neuer pädagogischer Erkenntnisse. Ein festgefahrenes, nach Leistung gegliedertes Schulsystem, das kaum in der Lage war Gesamtschulen zuzulassen, müsste grundsätzlich offener werden und Pädagogik wieder mehr in den Mittelpunkt stellen. Die Gegner der Integrationspädagogik müssen sich fragen lassen, ob Kinder mit Behinderungen wirklich im Zentrum ihrer Argumentation stehen und nicht etwa andere Motive, wie etwa Erhalt der Sonderschulen, Festhalten am leistungsorientierten Schulwesen etc. Zweifelsohne kann die integrative Erziehung den behinderten Kindern ihre Erfahrungen mit ihrer Behinderung und die Erkenntnis ihrer Behinderung nicht ersparen, doch sie kann diesen Schülern helfen, damit besser umzugehen und sie zu akzeptieren.  
  Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass sich ein gemeinsamer Unterricht lohnt. Die positive Wirkung dieser gemeinsamen Unterrichtung auf das spätere Leben, gerade auch bei den Nichtbehinderten, kann nicht hoch genug bewertet werden. Verständnis, Toleranz, Einfühlungsvermögen und Akzeptanz sind gewonnene Tugenden dieser gemeinsamen Zeit.  
  Um die Integration zu realisieren, müsste die Lehrerausbildung geändert werden, integrationspädagogische Inhalte sollten in die Ausbildungen aufgenommen werden, aber nicht nur für Lehrer, sondern auch für Schulärzte, Schulräte und Schulpsychologen.  
  Ziel der Schule sollte eine bestmögliche Erziehung und Unterrichtung aller Schüler sein. Behinderte Kinder und Jugendliche sollten so weit wie möglich in den allgemeinen Schulen integriert werden und so wenig wie nötig in den Sondereinrichtungen gefördert werden.  
  Aber Integration in den Schulen allein ist nicht genug, es muss sich parallel auch die Gesellschaft öffnen, so dass die Behinderten in die Gesellschaft hineinwachsen können und in die verschiedensten Lebensbereiche einbezogen werden. Dieser das gesamte Leben umfassende Vorgang wird in der pädagogischen Diskussion "Inklusion" genannt. Hier stehen wir aber noch am Anfang. Doch gilt es dieser Vision den Weg zu ebnen, dass sie Realität werden kann. Erste Schritte wurden und werden gemacht, auch z. B. mit dem Gesetz der Gleichstellung der Behinderten, das im Herbst 2001 in Kraft trat.  
  Ghandi hat den Kastenlosen den Namen "Harijans" gegeben, d. h. "Kinder Gottes", damit hat er die erstarrte Kastengesellschaft irritiert und anfänglich durchbrochen. Auch Jesus hat die gesellschaftlichen Zwänge durchbrochen und neu definiert und mit seiner Annahme aller Menschen, besonders der randständigen, die Maßstäbe neu gesetzt, d. h. den Menschen mit seiner Gottebenbildlichkeit wieder in den Mittelpunkt gestellt.  
  Sollte es heute nicht möglich sein, eine am Menschen orientierte Pädagogik zu schaffen, in der Behinderte und Nichtbehinderte in einem neuen Miteinander gemeinsam leben und so die Gesellschaft im Sinne von mehr Mitmenschlichkeit verändern?  
     
 
 
   
  * Karen Lohrmann hat Evang. Theologie/Religionspädagogik an der PH Ludwigsburg studiert. Ihre Wissenschaftliche Hausarbeit verfasste sie zum Thema: "Pädagogische und theologische Begründungen der Integration von behinderten Kindern in der Grundschule - Möglichkeiten und Grenzen ihrer praktischen Umsetzung"  
   
 
 
     
 

Literatur:

 
 
  • Comenius Institut (Hrsg.): Evangelium und Behinderte. Beiträge aus Sonderpädagogik und Religionspädagogik, Münster 1978
  • Deppe- Wolfinger, Helga (Hrsg.): Behindert und abgeschoben. Zum Verhältnis von Behinderung und Gesellschaft, Weinheim Basel 1983
  • Der große Duden, bearbeitet von Karl-Heinz Ahlheim, zweite verbesserte und vermehrte Auflage 1966
  • Dumke, Dieter/ Schäfer, Gertrud.: Entwicklung behinderter und nichtbehinderter Schüler in Integrationsklassen. Einstellungen, soziale Beziehungen, Persönlichkeitsmerkmale und Schulleistungen, Weinheim 1993
  • Eberwein, Hans (Hrsg.): Behinderte und Nichtbehinderte lernen gemeinsam Handbuch der Integrationspädagogik, Weinheim Basel 1994³
  • Freymann, Thelma v.: Integration behinderter Kinder in Regelschulklassen Teil I, in: Katholische Bildung 98/ 1997, 222- 230 (Heft 5)
  • Herbst, Hans, R.: Behinderte Menschen in Kirche und Gesellschaft, Stuttgart 1999
  • Hildeschmidt, Anne/Schnell, Irmtraud. (Hrsg.): Integrationspädagogik. Auf dem Weg zu einer Schule für alle, München 1998
  • Lill, Gerlinde (Hrsg.): Alle zusammen ist noch lange nicht gemeinsam. Kritische Rückschau auf 15 Jahre Integration und der Blick nach vorn, Berlin 1996
  • Muth, Jakob: Integration von Behinderten. Über die Gemeinsamkeit im Bildungswesen, Essen 1986
  • Röhrig, Hans- Jürgen: Religionsunterricht mit geistig behinderten Schülern- aber wie? Perspektivenwechsel zu einer subjektorientierten Religionsdidaktik, Neukirchen-Vluyn 1999
  • Schöler, Jutta: Sono bambini. Es sind Kinder. Die Aufgabe einer gemeinsamen Schule für behinderte und nichtbehinderte Kinder in Italien und der Bundesrepublik Deutschland, Berlin o. Z.
  • Seybold, Klaus/Müller, Ulrich, B.: Krankheit und Heilung. Biblische Konfrontationen, Stuttgart 1978
  • Szagun, Anna- Katharina: Behinderung. Ein gesellschaftliches, theologisches und pädagogisches Problem, Göttingen 1983
 
     
 

[1] Szagun, Behinderung, 22

[2] Duden, 321

[3] Kobi, in: Eberwein: Behinderte und Nichtbehinderte, 71

[4] Lill, Alle zusammen ist noch lange nicht gemeinsam, 49

[5] Vgl. Seybold/Müller, Krankheit und Heilung, 78

[6] Vgl. Szagun, Behinderung, 67

[7] Vgl. Nipkow, Comenius Institut, 77ff

[8] Vgl. Röhrig, Religionsunterricht, 35

[9] Herbst, Behinderte Menschen in Kirche und Gesellschaft, 255

[10] Szagun, Behinderung, 20

[11] Diese Tabelle ist zitiert nach Schindler, in: Hildeschmidt/Schnell, Integrationspädagogik, 115

[12] Deppe- Wolfinger, Behindert und abgeschoben, 155

[13] Vgl. Schöler, Sono bambini, 58

[14] Freymann, Integration Teil I, in: Kath. Bildung 98, 227

[15] Lückenga in: Lill, Alle zusammen ist noch lange nicht gemeinsam, 28

[16] Schöler,Sono bambini, 192

[17] Hildeschmidt/Schnell, Integrationspädagogik, 22

[18] Hildeschmidt/Schnell, Integrationspädagogik, 23

[19] Hildeschmidt/Schnell, Integrationspädagogik, 23

[20] Dumke/Schäfer, Entwicklung, 106

[21] Vgl.  Dumke/Schäfer, Entwicklung, 120

[22] Dumke/Schäfer, Entwicklung, 123

[23] Vgl. Dumke/Schäfer, Entwicklung, 123

[24] Vgl. Weiser, Eine Schule für alle, 100f

[25] Eberwein, in: Hildeschmidt/Schnell, Integrationspädagogik, 359

[26] Vgl. Hildeschmidt/Schnell, Integrationspädagogik, 359