Wann kommt der Clip? -
  Eine Unterrichtsstunde zum Video "Die Flut" von Witt/Heppner  
     
Julia Dieter*(22.05.2003)
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"Wegen einem Menschen kommt das auch nicht mehr drauf an!"
a In einer 8. Hauptschulklasse behandelte ich innerhalb der Einheit: "Bebauen und bewahren: Vom Umgang mit den Schöpfungsgütern" den Clip "Die Flut" von Joachim Witt und Peter Heppner. Vorangegangen waren Untersuchungen der biblischen Schöpfungsberichte, Betrachtungen vom Umgang des Menschen mit der Schöpfung, sowie die Sintflutgeschichte.
Zum Inhalt des Clips verweise ich auf den Artikel von Bickelhaupt/Böhm/Buschmann, der ebenfalls auf dieser Seite zu finden ist.
     
a Ziele der Stunde
 
  • Die Schüler identifizieren biblische Symbolik in einem Stück Popularkultur.
  • Die Schüler durchdringen den Clip und bilden sich eine eigene Meinung dazu.
  • Die Schüler erkennen die Unterschiede zwischen Sintfluterzählung und Clip.
  • Die Schüler üben sich in kreativem Arbeiten.
 
  Einstieg  
a Als Einstieg in die Thematik dient ein Tafelbild (s. Anlage 1). Die Schüler entwickeln dafür in Partnerarbeit Sprechblasen. Das Tafelbild stellt eine direkte Verbindung zum Clip her. Die Schüler sollen aufschreiben, was die Personen zueinander sagen könnten. So werden sie gleich zu Beginn der Stunde einbezogen und können sich selbst äußern.
     
"Hilfe, Hilfe! Rettet mich!"
Die Problematik des Tafelbildes sprach die Schüler an: Viele Menschen wollen auf ein Schiff, aber nur wenige kommen an Bord.
  Bei der im Wasser schwimmenden Person waren sie sich einig. Texte wie: "Hilfe, helft mir!" kamen von allen Gruppen. Auch bei den Menschen im Boot zeigte sich weitgehend Einigkeit. Der Ertrinkende hatte einfach "keinen Platz mehr" oder die anderen "verraten", so dass er zur Strafe ertrinken musste. Lediglich eine Gruppe bedauerte in ihrer Aussage den Ertrinkenden.  
  In dieser Unterrichtsphase entspann sich eine heftige Diskussion darüber, was mit dem Ertrinkenden geschehen solle. Die Schüler gaben ihm weitgehend selbst die Schuld für seine Situation und hielten Hilfe für unnötig.  
     
Hinführung
  In dieser Phase wird die Gliederung des Clips schon vorweggenommen, so dass er später leichter zu durchdringen ist. Jeder Schüler erhält einen anderen Text (je nach Klassengröße erhalten auch mehrere Schüler denselben Text) (s. Anlage 2). Diese Texte sind im Clip immer kurz eingeblendet und werden dort auch filmisch umgesetzt. Die Schüler gestalten eine kurze Bildskizze zu ihrem Text. Die Texte werden in der richtigen Reihenfolge aufgehängt und gemeinsam betrachtet. Die Schüler haben jetzt schon bestimmte Vorstellungen im Kopf, die nachher mit dem Clip verglichen werden können. Für spätere Gespräche über den Clip ist es wichtig, eine gemeinsame Gliederung zu haben.  
Ich halte es für sinnvoll, die Schüler zunächst eigene Bilder entwickeln zu lassen, da ihnen dies in unserer visuell überfrachteten Welt zunehmend Schwierigkeiten bereitet. Es ist eine Aufgabe der Schule hierbei Hilfe und Förderung zu bieten.
     
  "Es gibt keinen Platz mehr!"  
  Die Bilder, die die Schüler zu ihren Texten erstellten, wiesen große Ähnlichkeit zum Clip auf, obwohl er ihnen unbekannt war. So hing mehr oder weniger der Ablauf des Clips an der Tafel, noch ehe er gezeigt wurde.  
     
  Erarbeitung  
  Die Schülerbilder werden nun direkt mit dem Clip verglichen. Der Clip wird dazu in kurzen Abschnitten gezeigt. Unterschiede zwischen den Vorstellungen der Schüler und dem Clip werden herausgearbeitet. Dadurch prägen sich die Bilder und die Gliederung des Videos schnell und deutlich ein.  
Der Clip wird ein zweites Mal am Stück gezeigt, um den genauen Ablauf zu verdeutlichen. Außerdem kann er nur so richtig wirken. Nun bearbeiten die Schüler das Arbeitsblatt (s. Anlage 3).
  Wichtig im Umgang mit Videos ist, dass die Schüler zunächst ihre eigene Meinung äußern dürfen. Interessant ist dabei besonders, welch unterschiedliche Deutungen es geben kann. Durch ein Gespräch über die vielen Deutungen, können die Schüler lernen, sich mit anderen Standpunkten auseinander zu setzen. Dies kann sie auch in ihrer religiösen Entwicklung weiterbringen.  
Es folgt ein direkter Vergleich mit der biblischen Erzählung, die in der vorangegangenen Stunde behandelt wurde.
  Texte und Clips können sehr unterschiedlich wirken. Darum geht es in der letzten Aufgabe. Die Schüler sollen Clip und Erzählung für sich einordnen. Als Hilfe bekommen sie mehrere gegensätzliche Wortpaare. Mit Farbpunkten zeigen sie an, welchen Eindruck Clip und Erzählung auf sie machen. Im Gespräch sollten sie ihre Wahl auch begründen können.  
     
  "Dann ist nur noch eine Fahrkarte übrig."  
  Beim Vergleich der Schülerbilder mit den einzelnen Abschnitten des Clips kam es zu vielen kleineren Diskussionen. Sehr interessiert waren die Schüler an den beiden auftretenden Gruppen im Clip. Für sie zeigte sich in ihnen der Gegensatz Arm - Reich. Die im Clip verwendete (und viel kritisierte) Nazisymbolik fiel den Schülern nicht auf.  
Beim Besprechen des Arbeitsblattes zeigte sich, dass die Schüler sich noch auf einer rein wörtlichen Ebene des Verstehens befanden. Alle beschrieben den Einzug der Menschen in das Schiff und den Kampf der rivalisierenden Gruppen.
Die zweite Frage, in der es um Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Clip und biblischer Erzählung ging, warf einige Probleme auf. Manche Schüler verstanden sie zunächst falsch. Sie schrieben über die Unterschiede der beiden im Clip gezeigten Gruppen, ein Thema, das die Schüler sehr berührte. Die tatsächlichen Unterschiede zwischen Clip und Sintfluterzählung wurden nachträglich im Gespräch herausgearbeitet.
  Die dritte Aufgabe diente dazu, ein Stimmungsbild unter den Schülern zu ermitteln. Hierbei zeigte sich, dass die Sintfluterzählung eher als positiv und hoffnungsvoll erfahren wurde, während der Clip eine düstere Wirkung auf die Schüler hatte. Dennoch gefiel er den Schülern und wurde keineswegs abgelehnt. Die Stunde endete an dieser Stelle. In ihr war weit mehr diskutiert worden als in "gewöhnlichen" Religionsstunden.  
     
  Vertiefung  
In der Folgestunde bietet es sich an, die beiden im Clip gezeigten Gruppen nochmals zu thematisieren. Die Unterschiede zwischen Erzählung und Clip können hierbei ebenfalls vertieft werden. Das Arbeitsblatt enthält dafür mehrere Anknüpfungspunkte.
Das offene Ende des Clips lädt ein, sich über eine mögliche Fortsetzung der Geschichte Gedanken zu machen. Denkbar wären folgende Fragen: Was geschieht auf dem Schiff? Was passiert mit den beiden Anführern (einer ist noch an Land, einer an Bord)? Überleben die "Auserwählten" auf dem Schiff?
  Zur Erinnerung wird den Schülern das Ende des Clips nochmals gezeigt. Dann schreiben sie eine Fortsetzung. Partnerarbeit ist hierbei hilfreich, da den Schülern zu zweit mehr einfällt.  
     
  "Es war nur ein starker Regen."  
  Bei der Auswertung der Schreibphase zeigte sich, dass die Schüler entweder auf ausgleichende Gerechtigkeit hofften - so sollte das Schiff untergehen, bzw. die Passagiere verhungern - oder eine Wendung zum Guten konstruierten - der Regen hört wieder auf, es dürfen doch noch alle aufs Schiff.  
     
"Machen wir das wieder mal?"
Insgesamt waren meine Erfahrungen mit diesem Clip sehr positiv. Die Schüler brachten sich mehr ein als sonst. Es wurden gute Gespräche geführt und die Schüler waren durchweg aufmerksam. Sie wünschten sich weitere Clips und Popsongs im Unterricht.
  Natürlich kann man Erfahrungen mit nur einer Schülergruppe nicht verallgemeinern, doch bin ich der festen Überzeugung, dass die meisten Schüler positiv auf den Einsatz von Popmusik im Religionsunterricht reagieren, wenn man sie ernst nimmt - die Schüler und die Musik.  
     
 
 
  Anlagen  
     
  1. Das Tafelbild  
   
  2. Die Gliederungstexte  
 
  • Die Arche steht bereit
  • Nur Auserwählte dürfen an Bord. Aber auch andere wollen mit.
  • Plötzlich schwarze Wolken
  • Die Seeleute kämpfen gegen die Zeit
  • Die letzte Fahrkarte
  • "Lasst uns rein!" - "Für euch ist kein Platz!"
  • "Treibt sie zurück!"
  • "Fahrt zur Hölle!"
  • "Was habe ich getan?"
 
  3. Das Arbeitsblatt  
Der Videoclip "Die Flut" von Joachim Witt und Peter Heppner
   
  Aufgabe 1: Beschreibe, worum es deiner Meinung nach in dem Clip geht!  
   
   
Aufgabe 2: Welche Unterschiede/Gemeinsamkeiten entdeckst du zwischen der Sintfluterzählung und dem Clip?
  Unterschiede:  
   
  Gemeinsamkeiten:  
   
  Aufgabe 3: Wie wirken Clip (rot) und Sintfluterzählung (blau) auf dich? Ordne Farbpunkte zu!  
   
froh o o o o traurig
Rettung o o o o Untergang
religiös o o o o unreligiös
hoffnungsvoll o o o o hoffnungslos
hell o o o o dunkel
   
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  * Julia Dieter hat an der PH Ludwigsburg Ev. Theologie und Musik studiert. Seit September 2001 unterrichtet sie an der GHS in Balingen-Frommern. Im Raum Balingen leitet sie auch Fortbildungen zum Thema Popmusik und Religionsunterricht.