Religion und Film  
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7 Thesen, 14 Tipps und ein Nachschlag
 
 
Thomas Breuer (20.07.2001)
 
   
  I. Spuren des Religiösen im populären Film: Religionspädagogische Thesen  
   
  1. Wir erleben in Europa momentan einen massiven Gestaltwandel von Religion. Während der kirchlich verfasste Glaube zunehmend verdunstet, kann man gleichzeitig eine Pluralisierung und Individualisierung von Religion entdecken. Keinesfalls leben wir in einer religionslosen Zeit. Vielmehr ist unsere Kultur wesentlich durch religiöse Symbolisierungen geprägt. Dies gilt auch für die Popularkultur.  
   
  2. Der populäre Film ist das Medium, in dem Schüler und Schülerinnen am intensivsten mit den Deutungen existentieller Erfahrungen konfrontiert werden. Schon deshalb hat die Religionspädagogik die Aufgabe, aufmerksam die sinnstiftende Kraft von Mainstream-Filmen wahrzunehmen und zu analysieren.  
   
  3. Dabei darf an die Filme nicht der Maßstab vermeintlicher Orthodoxie oder moralischer Korrektheit angelegt werden. Zwar ist es durchaus sinnvoll, die Deutungsangebote der Filme im Blick auf die Antworten der religiösen Tradition kritisch zu erörtern, doch umgekehrt können diese auch vorschnelle theologische Eindeutigkeiten in Frage stellen. Eine einseitige Verzweckung von Filmen für religiös-institutionelle Interessen ist zu vermeiden.  
   
  4. Das Kino erzählt Geschichten. Dabei bezieht sich der populäre Film auf Motive der jüdisch-christlichen Tradition (und zunehmend auch auf Motive religiöser Traditionen aus dem ostasiatischen Raum) und transformiert diese in eigenständiger Weise. Der Filmkritiker Georg Seeßlen meint sogar: "Alle populären Filme sind, mehr oder minder deutlich, Ableitungen der 'großen Erzählung', der fundamentalen Geschichte in der Bibel."  
   
  5. In den Filmen unserer Zeit geht es um die Liebe, die stärker ist als der Tod (Titanic), um den Umgang mit Schuldgefühlen (Flatliners), um die Kraft des Urvertrauens (Forrest Gump), um den Wert des Einzelnen in einer Gemeinschaft (Independence Day), um die Solidarität mit Aussätzigen (Philadelphia), um die königliche Würde des Menschen (König der Löwen), um den Auszug/Exodus aus Fremdbestimmung (Die Truman Show), um den Sinn des Opfers (Terminator II; Breaking the Waves), um die Verbindung mit den Toten (Ghost; The Sixth Sense), um die Hoffnung auf Erlösung (Matrix) u.a.m.  
   
  6. Nach J.B. Metz ist "Unterbrechung" die kürzeste Definition für Religion. Um Unterbrechung geht es auch im Kino. Ein Film konstruiert eine andere Welt. Er kann (er muss nicht!) die "normale" Wahrnehmung, das gewohnte Wirklichkeitsverständnis, die vertraute Deutung des Lebens unterbrechen.  
   
  7. Der Film ist noch nicht der Film. Er läuft nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Kopf des Rezipienten. Jeder sieht seinen eigenen Film. Deshalb ist es nicht sinnvoll, rein objektivierend über ein "Werk" zu sprechen. Vielmehr ist der religionspädagogisch spannende Punkt die Kommunikation über die Bedeutung des Films für die eigene Biographie. Das Weiterspinnen von Filmstories kann dabei heute z.T. eine ähnliche Funktion haben wie das Weitererzählen biblischer Geschichten für frühere Generationen.  
   
  II. Religion und Film: Ausgesuchte Surftipps  
   
  1. Der Alpirsbacher Kinopfarrer Michael Graff ist ein Pionier des Gesprächs zwischen Film und Kirche. Einige seiner Texte sind hier zu lesen: http://www.subiaco.de/pinnwand/graff.htm. Auch in Bietigheim-Bissingen gibt es seit einiger Zeit eine Initiative "Kino und Kirche": http://www.kino-und-kirche.de/index1.htm  
   
  2. Wer vor allem an theoretischer Reflexion interessiert ist, wird im Archiv des "Magazins für Theologie und Ästhetik" fündig (Beiträge von Herrmann, Kirsner, Mertin u.a): http://www.ub.uni-duisburg.de/theomag/archiv/archiv.htm  
   
  3. Sehr lesenswert sind die Beiträge von Matthias Wörther (Medienzentrale München) ("Bibliografie" anklicken!): http://woerther.here.de/  
   
  4. In den USA erscheint eine eigene Internet-Zeitschrift zum Thema: "The Journal of Religion and Film": http://www.unomaha.edu/~wwwjrf/filminde.htm Deutschsprachige Informationen zu diesem Journal gibt es bei: http://www.uni-bonn.de/ Religionswissenschaft/ss9a4.htm  
   
  5. Aktuelle Filmkritiken von hoher Qualität bietet die katholische Fachzeitschrift "Film-Dienst":http://www.film-dienst.de/  
   
  6. Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik präsentiert den "Film des Monats": http://www.gep.de/film-des-monats.html und die Zeitschrift epd Film stellt Auszüge des aktuellen Hefts ins Netz: http://www.epd.de/film/welcome.html  
   
  7. Wer Informationen zu einem bestimmten Film sucht, kommt an der Internet Movie Database, der umfangreichsten Film-Datenbank, nicht vorbei: http://german.imdb.com  
   
  8. Nützlich ist auch die Film-Datenbank von mybasel: http://www.mybasel.ch/freizeit_kino_archiv.cfm  
   
  9. Im Archiv früherer Filmkritiken findet man alle in der Neuen Zürcher Zeitung erschienenen Filmbesprechungen seit April 1997: http://www.nzz.ch/ticket/ZH/KI/archiv/index.html  
   
 

10. Auch die Kinogalerie der Rhein-Zeitung lohnt einen Besuch: http://rhein-zeitung.de/ magazin/kino/galerie/

 
   
  11. Lesenswerte Filmkritiken bietet das Münchner Artechock-Magazin: http://www.artechock.de/film/archiv/index.htm  
   
  12. Eine englischsprachige Suchmaschine für Filmkritiken findet sich hier: http://www.mrqe.com/  
   
  13. Kino bei ARTE (mit vielen Hintergrundinformationen zu einzelnen Themenfeldern): http://www.arte-tv.com/home/communaute.jsp?node=-51  
   
  14. Wer immer noch nicht genug hat oder etwas Spezielleres sucht, findet noch mehr links beim FILMSTUDIO an der RWTH Aachen: http://www.informatik.rwth-aachen.de/ FilmStudio/links/uebersicht.html  
   
  III. Ein Nachschlag  
   
  Wer zwar weiß, was Gaffer auf der Autobahn anstellen, sich aber immer schon gefragt hat, welche Funktion sie bei der Entstehung eines Films haben, kann dies und anderes mehr im Online Film Wörterbuch erfahren: http://home.snafu.de/ohei/ofd/moviedict.html